Eine himmlische Alltagsgeschichte, sagte Jesus, weiter nichts: Der Boden, auf dem jemand sein Leben lang achtlos herumgetrampelt war, barg einen Schatz! Weiß Gott, er hatte es der Erde nicht ansehen können. Es war seine Alltagswelt, und begonnen hatte es mit einem Wutanfall: Kurz vor „fertig“ machte es „klirr“, die Pflugschar möglicherweise hinüber, aber das Hindernis unter der Erde hätte er beim besten Willen nicht erkennen können, Mist! Was er noch nicht ahnte: Er war ein gemachter Mann. Ausgerechnet in seinem Acker ein Schatz! Wovon andere vergeblich träumen, wenn sie mitfiebern bei „Wer wird Millionär?“ und selber die sinnlosesten Gewinnspiele mitnehmen: Er hatte nicht nur gewonnen, sondern schon immer auf seinem Hauptgewinn gelebt. Das Leben ist schön! Wer kann das sagen?
Gewiss nicht der Mann aus der Führungsetage, der sich jetzt einen Coach genommen hatte, weil er in seinem Leben eine Kluft spürte, die ließ sich nicht schließen: Eigentlich alles wunderbar, aber trotzdem leer! „Man muss Ziele haben“, war seit je seine Devise gewesen: „Wenn sie mich bei dieser Firma nehmen, dann habe ich’s geschafft“, hatte er als Student gedacht. Inzwischen war er längst dort, hatte Familie gegründet, Haus gebaut, leitende Position. Aber immer noch das Gefühl, dem Traum von seinem Leben hinterher zu jagen. Bloß welches Ziel denn noch? In zehn Jahren in Rente gehen und mehr Zeit haben zum Golfspielen?
Doch, es gab die Momente, da spürten sie: Was wir aneinander haben, das birgt immer noch irgendwo einen Schatz! Nur: Es gelingt so selten, ihn zu heben. Vielleicht sind sie einfach zu verschieden. Eine Kette von Missverständnissen und Enttäuschungen zog sich durch die Jahre hindurch. Innerlich war sie schon mehrfach ausgezogen, er auch. Aber irgendetwas hielt beide zurück. Vielleicht die Ahnung: Den Schatz unseres Lebens finden wir nicht durch Auswechseln des nächsten Menschen – eher entgleitet er uns dabei.
Den Anspruch, jemals „glücklich“ zu sein, stellte sie schon längst nicht mehr. Glück – was ist das? Sie hatte sich immer als Pechvogel gefühlt. In einem Streit, wie er in der Pubertät unvermeidlich ist, hatten ihre Eltern durchblicken lassen, sie sei gar nicht gewollt gewesen. Ihre Ausbildung hatte sie aus Krankheitsgründen abbrechen müssen. Und der, mit dem sie kurz befreundet gewesen war und der einzige bisher, mit dem sie sich ein Leben zu zweit hätte vorstellen können, hatte sich ausgerechnet für ihre Freundin entschieden – zwei Hauptverluste auf einmal!
Steiniger Untergrund, uns muss keiner was erzählen. Dass darauf ein Versprechen liegt: Das wäre uns neu! Ja, sagt Jesus, genau das: Auf eurem Leben liegt ein Versprechen. Ihr tut gut daran, gerade den Schwierigkeiten – Wutanfall! – etwas zuzutrauen: Bleib da, knie dich hin, heb die Scholle auf und achte darauf, was sich dir auftut unter dem Dreck. Du siehst nichts, kein Schatz, nur Dreck? Was Wunder, wenn Vergrabenes nicht gleich blinkt!
Es ist nur so: Ein anderes Leben haben wir ja nicht. Und das Glück immer erst morgen zu erwarten, ist der sicherste Weg, um unglücklich zu werden. Aber der, der das Leben erfunden hat und sich in Jesus in den Dreck gekniet hat wegen dem Schatz darin, sprich: unsertwegen, flüstert uns ein: Dieses dein Leben birgt den Schatz. Gott blinkt dir entgegen. – Und unverhofft kommt der Moment, der schmeckt nach Ewigkeit und macht satt und hungrig zugleich. Jesus erzählt ja Ihre und meine himmlische Alltagsgeschichte (Matthäus 13,44) – schönen Sonntag!
Michael Wohlgemuth, Pastor in Klein Hehlen