Immer das Gleiche.....

Er hatte es satt! Jeden Morgen das Gleiche. Seine beiden älteren Geschwister nervten ihn. "Wie schade, dass du deinen Adventskalender schon aufgefressen hast." "Mmh, die Schokolade schmeckt einfach göttlich!" Immer das Gleiche! Wie er sie hasste. Und sie hatten ja recht, das war das Schlimmste.
Die ersten Tage hatte er es geschafft. Jeden Morgen nur ein Türchen, nur ein Stückchen Schokolade. Doch die Versuchung wurde immer größer, die anderen Türchen schienen förmlich zu rufen. Dann schließlich das eine Stückchen mehr.
Was machte das schon? Aber am nächsten Tag war da nur noch das Bild, keine Schokolade mehr. Dann musste eben das nächste Türchen herhalten, und das übernächste auch gleich. Und schließlich war sein ganzer Kalender leergegessen. Am 15. Dezember schon. Noch neun Tage bis Heiligabend. Und dann der traurige Blick seiner Mutter. Der scharfe Ton vom Vater.
Schließlich hatte die Oma ihm einen neuen Adventskalender mitgebracht. Mit Bildern aus der Bibel hinter den Türchen, aber ohne Schokolade. Der erste Tag war noch toll. Sechzehn Türen auf einmal aufmachen dürfen. Doch dann wurde es von Tag zu Tag öder. Schon wieder Wüste mit Kamelen drin, dann ein Esel mit einer blaugekleideten Frau darauf. Das sollte wohl Maria sein. Und dazu die höhnischen Kommentare seiner Geschwister.
Wütend stampfte er in sein Zimmer, griff entschlossen zum Kalender und riss gnadenlos das Deckblatt von der Pappe. Es klappte nicht gleich auf Anhieb. Noch einmal packte er zu und zerrte. Schließlich hatte er es geschafft. Er keuchte von der Anstrengung, so fest waren Pappe und Deckblatt miteinander verbunden. Rechts hielt er das zerfetzte Resultat seines Zorns, links die nackte Pappe. Fast nichts mehr war darauf zu erkennen. Alle Bilder waren mit herunter gerissen. Er hatte beinahe doch ein schlechtes Gewissen. Aber da, genau in der Mitte. Das mussten die Reste vom Bild hinter der Vierundzwanzig sein. Maria und Josef waren kaum noch zu erkennen, vom Esel waren die Hufe zu sehen. Nur das kleine Jesus-Kind lag unversehrt in seiner Krippe und strahlte ihn an, als sei nichts geschehen. Er konnte seinen Blick von dem Kind kaum losreißen. Und es schien ihm fast, als könnten diese Augen bis in sein Herz sehen, seine Ängste, seine Sehnsucht. Und ihm wurde auf einmal viel leichter ums Herz. Nur noch drei Tage bis Weihnachten.....

Einen gesegneten vierten Advent wünscht Ihnen

Axel Stahlmann, Pastor an St. Lamberti, Bergen