Wer bei diesem Wetter stundenlang in der Sonne sitzt, muss ziemlich unvernünftig sein oder ein alter Sturkopf wie Jona. Vor den Toren der Stadt Ninive rührt er sich nicht vom Fleck und wartet auf deren Untergang. Nichts passiert, nur dass Jona einen Sonnenstich bekommt. Typisch Jona. Ohne Denkzettel ist der noch nie zur Besinnung gekommen.
So war das schon zu Beginn seines Prophetendaseins. Da läuft er vor seiner Arbeit weg, weil ihm der Auftrag nicht schmeckt. Das verhasste Ninive bekehren. Ausgerechnet! Wahrlich eine Zumutung für einen israelitischen Propheten, sich um das Wohl und die Rettung des Erzfeindes zu bemühen.
Statt sich nach Ninive zu begeben, beschließt Jona, sich nach Südspanien abzusetzen, genau in die entgegengesetzte Richtung. Doch sein Schiff gerät schon bald in einen heftigen Orkan. Die Seeleute - ein buntes Gemisch aus verschiedenen Völkern und Religionen - beten und schreien um Hilfe. Jeder wendet sich an seinen Gott. Alle packen an, um möglichst viel Ladung über Bord zu werfen, damit das Schiff nicht auseinanderbricht, alle, bis auf Jona. Der schläft derweil im hintersten Winkel des Schiffes. Soll das Schiff doch untergehen. Er hat nichts dagegen zu sterben. Hauptsache, er entkommt diesem Auftrag. Was aus den anderen wird, ist ihm egal, sind ja sowieso alles nur ungläubige Ausländer.
Doch ausgerechnet die wollen ihn schonen, als das Los Jona zum Schuldigen an der Katastrophe erklärt und er, so sieht es der Brauch vor, den Göttern durch Ertränken geopfert werden soll.
Erst dieser barmherzige Gott, der die Feinde retten will, und jetzt auch noch barmherzige Ausländer! Jona reicht’s. Er besteht darauf, ins Wasser geworfen zu werden.
Kaum ist er in den Wellen verschwunden, verschlingt ihn ein Riesenfisch. Jona überlebt in dessen Bauch. „Das ist die Hölle“, findet Jona, und ist nach drei Tagen der Qual bereit, alles zu tun, wenn Gott ihn nur aus dieser Lage befreit.
Der Fisch spuckt Jona an Land, und der geht nach Ninive, sagt den Menschen dort, dass ihre Stadt in 40 Tagen untergeht. Die Bewohner bekehren sich und wollen nach dem Willen Gottes leben. Gott beschließt daraufhin, die Stadt nicht zu zerstören.
Jona kocht vor Wut. Sein ganzes Weltbild gerät durcheinander. Feinde sind dazu da, vernichtet zu werden. Das war schon immer so.
Und nun sitzt er mit seinem Sonnenstich auf einem Berg, schaut auf die Stadt hinunter und wartet, dass Gott sein altes Weltbild wiederherstellt. Der aber ist schon wieder barmherzig und lässt für Jona zum Schutz vor der Sonne einen Rizinusstrauch wachsen. Aber nur kurze Zeit, dann verdorrt er. Für Jona Grund genug, sich mal wieder von Gott ungerecht behandelt zu fühlen.
Jetzt ist Gott sauer: „Den Strauch, den du noch nicht mal gepflanzt hast, soll ich erhalten und die vielen Menschen von Ninive umbringen? Denk mal drüber nach!“
Wort zum Sonntag am 9. August 2003
von Pastorin Elke Drewes-Schulz, Nienhagen-Papenhorst