Meine Gitarre muss ich jeden Tag neu stimmen. Die Temperaturschwankungen und die Luftfeuchtigkeit halten das Holz der Gitarre in Bewegung. Die Gitarre ist wie ein Mensch, der jeden Tag wieder neu sich einstimmen muss auf die Herausforderungen des Lebens. Mit welchem Ton begegne ich meinen Mitmenschen? Falsche Töne verursachen eine Missstimmung. Wenn das Musikinstrument nach dem Grundton gestimmt wird, dann kann der Klangkörper sich in hohen und tiefen Tönen entfalten und ist wohlklingend.
Auf den Seiten der Bibel wird uns von Menschen berichtet, die sich auf den Grundton der Liebe Gottes haben einstimmen lassen. "Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm."
Die Liebe ist göttliche Natur; es ist eine Kraft, die Lieblosigkeit und Hass überwinden will. Diese Liebe gibt nicht auf, sie lässt sich nicht einschüchtern von falschen und bösen Tönen. Wer verstimmt ist, tritt oft mit einem Ton auf, der unerträglich ist.
Wenn der Mensch sich am Grundton der Liebe Gottes orientiert, wird er auch aus dem Glauben an Gott die Kraft finden, denen mit Liebe zu begegnen, die sie eigentlich nicht verdient haben. Wenn man sich von der Liebe Gottes einstimmen lässt, dann wird man fähig zu einer Kreativität der Liebe.
Die Kunst zu lieben kann man auch lernen. Ich muss ja auch die Gitarrengriffe lernen, wenn ich einen Akkord spielen will.
Ich muss nicht Gleiches mit Gleichem vergelten nach dem Motto: Wenn du mich nicht anrufst, tue ich es auch nicht. Wenn du mich nicht informierst, tue ich es auch nicht.
Wir müssen nicht gewaltsam um unser Recht kämpfen, wenn Gott uns gerecht gesprochen hat. Wir können dann getrost den täglichen Kleinkrieg aufgeben, um die freigewordene Energie dafür einzusetzen, Frieden zu stiften. Von einer Frau las ich einen guten Spruch, der mich wieder neu eingestimmt hat. "Ich habe keine Zeit, mich zu ärgern." Es gibt Wichtigeres zu tun, als nur auf die falschen Töne zu hören und sich daran zu ärgern. Der Grundton Gottes lässt die Hoffnung und Verantwortung für einander durchklingen: so findet die Liebe Worte zum Gespräch trotz aller Sprachlosigkeit, sie lernt das Schweigen zu verstehen, und sie befähigt wieder zuhören zu können.
Dies hat auch Gültigkeit, wenn wir politische Verantwortung übernehmen. Bei allen unterschiedlichen politischen Vorstellungen brauchen wir die gemeinsamen Werte nicht infrage zu stellen. Denn nach der Wahl klingt das durch, was uns als Bürger in der Verantwortung für das Staatswesen und in der Kirchengemeinde miteinander verbindet. Wir werden am Sonntag unterschiedlich wählen gehen, aber wir werden auch gemeinsam Gottesdienst feiern mit denen, die anders gewählt haben.
Erich Schüttendiebel
Lobetalarbeit