Seit Donnerstag gibt es Krieg. Er ist nicht ausgebrochen, nicht wie eine Naturkatastrophe über uns gekommen. Er begann wie ein vermeidbarer Streit. Ein friedlicher Weg der Konfliktlösung wurde gesucht, aber nicht gefunden. Politiker sind in ihren diplomatischen Bemühungen gescheitert. Der Krieg ist da. Und der Tod Tausender Kinder, Frauen, Männer wird nun billigend in Kauf genommen.
Wie die meisten Kriege, wird auch dieser mit Gott geführt. Beide Seiten meinen Gott auf ihrer Seite zu haben. Zumindest behaupten sowohl George Bush, als auch Saddam Hussein in dieser Überzeugung zu handeln. Und mit dieser Behauptung stärken sie ihre Positionen.
Für viele andere Menschen ist Gott dabei nicht so leicht zu sehen. Eine Schülerin der Orientierungsstufe Klein Hehlen formuliert ratlos: „Wo bist du Gott? Warum bist du nie da, wenn Menschen dich brauchen?“
Die an uns selbst gerichteten Fragen heißen vielleicht: Was können wir tun? Weshalb sollen wir über unsere Ängste sprechen? Was helfen Kundgebungen für den Frieden, Resolutionen, Demonstrationen? Welchen Sinn haben Friedengebete?
Ja, was „bringt“ das alles? Wer weiß das schon zu sagen? Ich weiß nur: Ich möchte über das reden, was mich besorgt und ängstigt. Ich möchte meinen Protest formulieren. Ich möchte meine Klagen, Bitten und Hoffnungen auch vor Gott aussprechen. Ich möchte das alles tun, weil ich meine Vorstellungen von einem anderen, einem besseren Zusammenleben der Menschen und Völker nicht verabschieden will.
Kurz vor seinem Tod sagt Jesus zu seinen Freunden: „Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen.“ (Johannesevg. 16, 23)
Noch sind unsere Fragen da. Wir müssen mit ihnen leben. Gut, wenn wir sie aushalten. Gut, wenn wir sie nicht übergehen. Schülerinnen und Schüler der Orientierungsstufe kommen am Montagmorgen in der Bonifatiuskirche zusammen. Da wollen wir beides tun: die Fragen aushalten und für den Frieden beten.
Gabriele Ahnert-Sundermann