Gott will unter die Leute

Nicht nur zur Weihnachtszeit: Gott will unter die Leute. Wie macht er das? Das kann er nicht an den Leuten vorbei tun. Deshalb verwickelt er Menschen mit ihrer persönlichen Lebensgeschichte in seine Geschichte. Und nur so kommt er zur Welt.
Wissen Sie, es hätte ja auch ganz anders ablaufen können. Stellen wir uns einmal vor, der Engel käme heute zu einer jungen Frau. Und er sagte vielleicht:
 „Gott hält dich für etwas ganz Besonderes. Deshalb sollst du seinen Sohn zur Welt bringen. Er wird auf dem Thron sitzen und über die ganze Welt herrschen. Und Du sollst seine Mutter sein.“
Die junge Frau überlegt hin und her: Kein uninteressantes Angebot. Auch ehrenvoll irgendwie. Eine ziemlich große Herausforderung. Vielleicht eher eine Nummer zu groß? Aber ein reizvolles Projekt, an dem sie gerne mitarbeiten würde.
Andererseits hat sie aber gerade einen Ausbildungsplatz ergattert. Und vorher will sie gerne noch mal ins Ausland..... Irgendwie passt das Angebot von dem Engel schlecht in ihre Pläne. Schließlich sagte sie: „Nee, Du. Nimm`s mir nicht übel. Aber das passt jetzt gerade ganz schlecht. Aber vielen Dank, dass ihr an mich gedacht habt. Das war echt super nett.“
Auch das wäre eine denkbare Reaktion gewesen: „Vielen Dank. Ein ehrenvolles Angebot. Aber ich muss aus persönlichen Gründen leider ablehnen, lieber Engel.“ – Ja, und was dann?
Wir müssen – Gott sein Dank  - nicht weiter darüber spekulieren, auf welchem anderen Weg Gott die Menschen mit seiner Geschichte verwickelt hätte. Denn Maria hat damals „Ja!“ gesagt.
Das ist der Anfang davon, dass Gott, als Mensch unter die Leute gekommen ist. Und damit hat er einen ungewöhnlichen, einen - in der Religionsgeschichte - einzigartigen Zugang zum Menschen gefunden. Seither mischt  er sich in unser Leben ein: in das Leben von Maria und Joseph, von Hirten und Königen, von Hausfrauen und Bankern, Ärztinnen und Autoschlossern...
Immer wieder lassen sich Menschen auf die Wirklichkeit dieses Gottes ein, die so schrumpelig und unscheinbar auf die Welt gekommen ist. Sie erleben, dass mit Jesus von Nazareth jemand in der hintersten Ecke der Weltgeschichte geboren wurde, in dem Gott zum Greifen nahe ist. Sie lassen Gott zu einem Teil ihrer Lebensgeschichte werden. Sie erzählen anderen davon.

So kommt Gott immer wieder zur Welt. Nicht nur zur Weihnachtszeit.

 

Gabriele Ahnert-Sundermann

Pastorin in Klein Hehlen

e-mail: gabriele.ahnert-sundermann(at)evlka.de