Lass´dein Geld doch wandern

Die Münze, die du heute Morgen beim Bäcker auf den Tresen gelegt hast, hat dir hoffentlich ein schönes Frühstück beschert. Dieses Geld, eingetauscht für das Brot, ist jetzt nicht mehr in deinen Händen - aber es ist auch nicht perdu. Trauere ihm nicht nach, sondern denk´ dran, was Münzen und Scheine Gutes schaffen. Das frische Brot hat deinen Hunger gestillt und Gaumenlust verschafft, gibt Kraft fürs Schaffen und Wochenend-Feiern. 

Jetzt wandert dein Geld weiter, die in Metall gegossene Mühe, die vermünzte Anstrengung deiner Arbeit. Es landet im Portemonnaie der Frau, die dir jeden Samstag freundlich begegnet, obwohl sie ab 7 Uhr schon wie am Fließband die hungrigen Kunden bedient. Was sie wohl mit dem Geld anfängt, das am Monatsanfang auf ihrem Konto landet? Die Miete muss bezahlt werden, Heizung, Strom - alles kostet. Vielleicht hat sie etwas Spielraum und kann sich das neue Buch von Ulla Hahn leisten oder die Schuhe oder ein Essen mit Freundin beim Italiener. Vielleicht kann sie sogar noch etwas verschenken ans Frauenhaus, an Brot für die Welt oder den Penner, der vor Karstadt in der Kälte kauert. Solange wir noch etwas zu verschenken haben, sind wir wohlhabend. 

Merkst du, wie dein Sauerverdientes oder Ererbtes Kreise zieht? Du schaffst Mehrwert, wenn du abgibst. „Was soll das Geld, das nicht wandert durch die Welt?“, fragt ein altes Sprichwort. Viel klüger sind auch unsere Wirtschaftsweisen  nicht. Einige von ihnen fordern sogar, dass Zinsen zahlen müsste, wer sein Geld auf der hohen Kante hortet und es nicht in den Kreislauf von Geben und Nehmen einspeist. Schließlich hapert es nicht an Kapital in unserem Land; es mangelt an Mut, sein Geld auf Wanderschaft zu schicken. Viele fürchten, sie sähen es nie wieder. Doch: Wer heute über Gebühr knausert, verkennt, dass wir miteinander verstrickt und verbandelt sind – auch finanziell. Wirklich arm ist, wer alles für sich behalten muss. An Verstopfung wird er sterben. 

Es stimmt wohl, dass Geld den Charakter verderben kann. Jeder kennt einen, den sein Geld verhunzt und  seine Denke verklebt hat. „Aber Geld ist weder bös´ noch gut, es liegt an dem, der´s brauchen tut.“ Wir können es brauchen zum Leben, zum Versorgen, zum Feiern, zum Verschenken und Mittragen der gemeinsamen Lasten. Das ungerechte „Mammon“, findet Jesu, ist doch tauglich, dass wir es in Freude für uns und die Bäckersfrau, den Hausbauer und den Kaffeepflanzer in Kolumbien verwandeln. 

Schätze dich glücklich, wenn du in Lohn und Brot stehst und andere mit deinem Geld bewegen kannst. Sparen ist eine Tugend, aber wer sein Geld unter die Leute bringt, kann sich ausmalen, wie es anderen Rückenwind verschafft.  

Uwe Schmidt-Seffers, Pastor in Nienhagen