Schultze ist ein Schwergewicht und lungenkrank: Grubenarbeiter in einem Kalibergwerk in Sachsen-Anhalt. Eines Tages ist es soweit. Frührente. Eine Quarzlampe gibt es zum Abschied. Und die Kumpels singen ihm: „Glück auf! Glück auf!“
Aber „Schultze gets the blues“: das Leben verläuft trist und eintönig zwischen gelegentlichen Besuchen bei der senilen Mutter im Altenheim, einsamen Abenden zuhause, Kneipengängen mit den Kumpels und dem Schrebergarten. Ein Lichtblick ist sein Akkordeon. Jedes Jahr spielt er die Polka auf dem Vereinsfest der „Harmonie“.
Eines Abends hört er im Radio eine fremdartige Melodie, die ihm nicht aus dem Sinn geht: Südstaatenklänge aus den USA. Schultze spielt sie auf seinem Akkordeon nach. Und er spielt die neue Melodie - mit wenig Beifall - auf dem Fest der „Harmonie“. Aber Schulze will nicht wieder Polka spielen. Will nicht wieder in den alten Trott fallen.
So packt er sein Akkordeon ein und fährt ohne alle Sprachkenntnisse nach Louisiana. Eigentlich unglaublich, dass er das gewagt hat: neue Töne und so ein Abenteuer. Auch dort im Mississippi-Delta gibt es für Schultze Einsamkeit und Missverständnisse. Aber am Ende findet er Geborgenheit und entdeckt das Leben.
- Auf dem Rückweg vom Kino fällt mir Abraham ein. Ein alter Mann, der seine Heimat aufgibt. Alles Vertraute lässt er hinter sich. Ein Mann, der aufbricht und sich etwas traut. Auch er gibt seinem Leben eine neue Melodie. Aber Abraham hatte es leichter als Schultze, denke ich. Denn er wusste, dass er nicht alleine geht. Abraham wusste, dass er bewahrt wird von einem Gott, der zu ihm gesagt hat:
„Geh in das Land, das ich dir zeigen will. Ich gehe mit dir. Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“
Gabriele Ahnert-Sundermann
Pastorin in Klein Hehlen
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