Nach Hause kommen – wie gut das tut. Der Schlüssel im Schloss macht das bekannte Geräusch. Im Flur: herumliegende Schuhe – und ich ärgere mich nicht darüber. Ich hänge meinen Mantel an die Garderobe. In einem der Kinderzimmer wird lautstark gestritten und im Wohnzimmer erklingt vertraute Musik. Aus der Küche duftet es viel versprechend. Wärme umfängt mich. Und ich weiß: Ich bin zuhause. Die Spannung des Tages fällt von mir ab. Feierabend. Wie gut das tut.
Die Bibel erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der sein Zuhause aufgibt. Es ist ihm zu eng geworden. Er hat die Bevormundung satt. Er fordert vom Vater sein Erbe. Der Vater denkt: `Noch lebe ich. Und was wird der Junge mit dem vielen Geld anstellen? ` Aber er lässt ihn gehen. Sorgenvoll sieht er ihm hinterher.
Der Sohn zieht in die Welt, sucht Freiheit, Glück und Abenteuer. Findet Freunde und verliert sie. Verliert auch seine hochfliegenden Pläne von großer Karriere und einem Leben in Saus und Braus. Verliert auch das Erbe. Am Ende hat er nichts – außer seiner Sehnsucht nach einem Zuhause. Und da fällt ihm sein Vater ein. Es wird ein schwerer Weg zurück. Das schlechte Gewissen drückt ihn und macht jeden Schritt bleiern.
Der Vater steht vor seinem Haus und hält Ausschau, als ob er immer da gestanden hätte, um auf den Sohn zu warten. Schon von weitem erkennt er ihn. Der alte Mann vergisst seine Würde, läuft dem Sohn entgegen. Und bevor der sich vor ihm niederwerfen und seine Entschuldigungen und sein Elend hervorstammeln kann, nimmt ihn der Vater in die Arme. Da fällt alle Verlorenheit von dem Sohn ab. Er fühlt sich leicht und aufgehoben. Der Vater lässt ein großes Fest feiern: ,Lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden.` Und sie fingen an fröhlich zu sein.
Es gibt Menschen, die haben kein Zuhause. Die haben den Ort verloren, an dem sie sich aufgehoben fühlen. Gut, wenn sie die Kraft haben, sich auf den Weg zu machen, um ein Zuhause zu suchen. Aber: Jetzt muss ihnen jemand entgegen kommen.
Gabriele Ahnert-Sundermann
Pastorin in Klein Hehlen