Eine schöne Bescherung

Nun liegt es hinter uns: Weihnachten, das Fest der Bescherung! Doch zuweilen kann man das Wort Bescherung auch anders hören: Da betritt eine Mutter unerwartet in das Kinderzimmer. Ein einziges Chaos! Entsetzt schlägt sie ihre Hände über dem Kopf zusammen: „Das ist mir ja eine schöne Bescherung“!

Doch für das, was uns der zweite Weihnachtsfeiertag bescherte, fehlen die angemessenen Worte: schrecklich, entsetzlich, grausam! Urlaubparadiese wurden zur Hölle. In wenigen Minuten begräbt der Tsunami unter seiner turmhohen Welle alles: Menschen und Tiere, Häuser und Autos, Straßen und Strände.

Tag für Tag kann man die Bilder der Zerstörung sehen. Weinende, verstörte, verwirrte Menschen. Suchtrupps, die zu retten versuchen, was noch zu retten ist. Särge werden aufgereiht, Massengräber gefüllt; und wieder und wieder verzweifelte Menschen, deren Leben in Trümmern liegt.

Eine entsetzliche Bescherung? Nein – gar keine Bescherung! Ein schlichtes Naturereignis, das allerdings für viele Menschen zur Katastrophe wurde. Jeder Wissenschaftler kann es leicht erklären: Kontinente reiben sich aneinander, schieben übereinander und brechen plötzlich. Sie lösen ein Seebeben aus. Eine zerstörerische Woge jagt mit ungeheurer Geschwindigkeit durchs Meer. Am Ufer türmt sich die flache Welle zur mörderischen Tsunami auf.

Angesichts solcher Zerstörung können Menschen nicht anders: Sie müssen nach Ursache und Sinn fragen. Nach dem ersten Schock melden sich die Fragen. Da helfen Naturerklärungen nicht weiter. Wer ist für die Katastrophe verantwortlich? Doch am Ende der Ursprung, die letzte Ursache aller Dinge: Gott!

Und damit drängt sie sich wieder auf, die alte, quälende Frage: Wie kann Gott das zulassen? Was hat er sich dabei gedacht? Warum hat er das nicht verhindert? Ein Gott der Liebe? – Den kann doch keiner aufrechten Herzens mehr glauben, nicht bei dieser Bescherung! Aber wenn umgekehrt Gott mit dem Unheil nichts zu tun hat, wenn er es nicht hat aufhalten können: Was in aller Welt ist an ihm noch Gott oder göttlich?

Da ist es mit dem Glauben aus. Zweifel, Bitterkeit und Verzweiflung an Gott bleiben. Sonst nichts!

In solchen Stunden ist es gut, sich an eine alte Sitte zu erinnern. Für jedes Jahr wählt die Kirche eine „Losung“, ein besonderes Wort der Bibel aus. Es soll uns durch das Jahr begleiten. Für 2005 heißt es: „Jesus Christus spricht: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“ Jesus sagt es in dunkler Stunde, kurz vor seinem Verrat und seiner Kreuzigung zu Petrus. Beispielhaft wurde dann aber an diesem Jesus deutlich, wie sich der dunkle Tod in helles Leben verwandelt.

Im Hinblick auf ihn muss einer, eine nicht mehr die Killerwelle und ihre dunkle Anziehung anstarren, sondern kann die Welle der Hilfsbereitschaft entdecken: eine Welle sichtbarer Liebe! Menschen lieben Menschen, ganz handfest und praktisch: Ein Wunder, das alles Begreifen übersteigt! So kann der Glaube entstehen, um den Jesus bat.

Georg Gremels, Hermannsburg