Auf gute Nachbarschaft!

Marita ist aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen: So viele Kerzen tauchten die Kirche in ein warmes Licht, die Gebete und Lieder waren ihr vertraut, auch wenn sie jetzt in deutscher Sprache vorgetragen wurden. Und dann erst die vielen Frauen, die sie alle freundlich begrüßt haben. Sie fühlte, sie war willkommen, war unter Freundinnen.

Marita stammt aus Limanowa, der Partnerstadt der Samtgemeinde Wathlingen. Sie ist zu Gast bei einer polnischen Freundin, die mit einem Deutschen verheiratet ist. Gemeinsam besuchten sie den Gottesdienst am „Weltgebetstag der Frauen“, der seit Jahrzehnten am ersten Freitag im März in mehr als 170 Ländern der Welt begangen wird. Allein in Deutschland wurden für dieses Jahr 1,2 Millionen Frauen erwartet. Damit ist der Weltgebetstag das größte ökumenische Treffen überhaupt.

Jedes Jahr kommt die Liturgie aus einem anderen Land. Für dieses Jahr hatten Polinnen aus zehn verschiedenen Kirchen die Lieder ausgesucht und die Gebete verfasst. Alles unter dem Motto „Lasst uns Licht sein!“. Und was braucht das Zusammenleben der Menschen mehr als Licht, als Einsicht, als „Aufklärung“, als „Erleuchtung“ – eben auch gegen Vorurteile, dachte Marita während des Gottesdienstes.

Und was die Frauen hier alles über Polen wussten oder im Gottesdienst erfuhren! So hörten sie, dass Polen flächenmäßig nur wenig kleiner ist als Deutschland. Sie erinnerten an die 1000-jährige Geschichte Polens, an die schrecklichen Teilungen am Ende des 18. Jahrhunderts. Natürlich auch daran, dass Hitler das Land 1939 überfiel. Und auch daran, dass die Sowjetunion am Ende des Krieges den Polen ein Drittel ihres Landes im Osten nahm, dass die Einwohner vertrieben oder in ehemals deutsche Gebiete zwangsweise umgesiedelt wurden. Eine schreckliche Zeit! Erst seit wenigen Jahren geht es aufwärts. Inzwischen gehört Polen der NATO und der EU an. Das Verhältnis zu den deutschen Nachbarn verbessert sich stetig.

Es wird eine gute Nachbarschaft werden zwischen Deutschen und Polen. Davon ist Marita nicht zuletzt nach ihrem Besuch des Gottesdienstes am gestrigen Weltgebetstag überzeugt.   

DR. Otmar Schulz