Nicht Hallo-ween - Hallo Luther

Luther liegt an der Kasse im Supermarkt. Daneben lauter Halloween-Krimskrams. Luther, der Film, zu 7,99 €. Das ist sinnvoll angelegtes Geld, denn der Film lohnt sich!<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />

Ein lebensfreudiger Martin Luther begegnet mir in diesem Film. Er liebt gutes Essen und einen kräftigen Schluck Bier – und eine deutliche, bisweilen deftige Sprache. Er setzt sich für die Armen ein. Obendrein ist er mordsmäßig intelligent, der Dr. Martinus. Dem konnten seine Gegner so leicht nichts vormachen. Und Zweifel waren ihm auch nicht fremd. Wie gut aber auch, sonst wäre er mir zu perfekt. Ein passender Film zum Reformationsfest!

In diesem Jahr zwinkert mir Luther von einem Plakat herunter mit dem rechten Auge zu. Eine weiße Rose trägt er wie einen Federkiel in der Hand. Für mich sieht es so aus, als wollte er mir sagen: „Lass dich nicht verrückt machen durch Halloween! Das ist keine Konkurrenz für mich! Aber frag ruhig mal nach, worum es dabei eigentlich geht.“

Ich mache mich also schlau und erfahre: Der Name kommt von „Allhallows Eve“, heißt soviel wie „Vorabend zu Allerheiligen“. Entstanden ist das Fest vermutlich im irisch-keltischen Raum und zu Grunde liegt ihm die Legende von Jack O’Lantern. Durch eine List entgeht Jack der Hölle, aber der Himmel bleibt ihm dennoch verschlossen. Seine guten Taten reichen einfach nicht aus. Er ist dazu verdammt, ewig zwischen den Sphären zu wandern. Die aber sind von Geistern besetzt, von guten, vor allem aber von bösen. Hier wandert Jack rastlos, nur eine Kerze leuchtet ihm, eine Kerze in der Fratze eines ausgehöhlten Kürbis. Die Geister sollen sich eben auch fürchten und den guten Jack in Ruhe lassen.

Ja, hätte Jack den Bruder Martin gekannt, ihm hätte geholfen werden können. Denn das war eine der großen Entdeckungen des Dr. Luther: Ich kann mir den Zugang zum Himmelreich nicht mit guten Taten erwerben. Gott mag mich vielmehr, so wie ich bin, und nimmt mich freundlich auf in seinem Reich, wenn ich ihm nur vertraue. Ich bin schon wer, gelte was vor Gott, auch wenn ich nichts leisten kann. Wenn ich dann auch noch gute Taten tue, ist das sehr schön, aber nötig für das Heil meiner Seele ist es nicht. Wenn das doch jemand dem armen Jack  sagen würde. Der könnte seinen Kürbis samt Kerze fallen lassen, so als fiele ein Stein von seinem Herzen. Er müsste nicht mehr rastlos umherziehen, er hätte seine Ruhe gefunden und könnte sich des Himmels freuen.

Dr. Otmar Schulz, evangelischer Publizist, Papenhorst

Die Andacht erscheint auch als Wort zum Sonntag in der Celleschen Zeitung, jeweils in der Samstagsausgabe