Das schönste liegt noch vor uns!

Nachdenklich lege ich das Buch meines alten Lehrers aus den Händen. Sein Titel: „Das Schönste liegt noch vor uns“! Es war sein letztes Buch. Anfang dieses Jahres verstarb er. Im Alter von fast 90 Jahren, „alt und lebenssatt“, wie die Bibel sagt. Doch ein Leben lang glaubte, lehrte und lebte er danach: Die Ewigkeit liegt vor uns! Wir müssen sie noch glauben. Er kennt sie nun, denn er fand nach Hause: Das Schönste liegt noch vor uns. 

Morgen werden in Kirchen und auf Friedhöfen die Namen der im vergangenen Kirchenjahr Verstorbenen verlesen. Da wird auch sein Name dabei sein: Olav Hanssen! Letzter Sonntag im Kirchenjahr mit vielen, vielen Namen: Sie erinnern uns daran, dass das Leben endlich ist. Dazu die aufsteigenden Herbstnebel und die fallenden Blätter! Abschied müssen Menschen nehmen. Verstorbene vom Leben und Lebende von Verstorbenen! Besonders bitter ist das Verabschieden, wenn es vor der Zeit geschah. Doch auch dann gilt: Das Schönste liegt noch vor uns!

Während ich noch meinen Gedanken nachhänge, steigt ein Liedvers in mir auf, das mein alter Lehrer liebte: „Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei ein Wandern, zur großen Ewigkeit.“ Leben heißt nicht nur Abschied nehmen. Leben heißt Ankommen! Es endet nicht im Grab, sondern in der Ewigkeit! Dort wird Gott „abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“ So steht es in der Offenbarung des Johannes. Die wechselvolle Wanderschaft eines Lebens endet bei Gott: Das Schönste liegt noch vor uns!

Beweisen kann niemand, was nach dem Tod kommt. Doch gibt es Hinweise. Menschen, die aus dem Tod ins Leben zurückgeholt wurden. Reanimiert, wiederbelebt! Sie berichten von einem wunderbaren Licht. Sie erleben einen Frieden, in dem sich alle Fragen ihres Lebens lösen. Auch die dunklen Flecken bekommen ihren Sinn. Solche Erfahrungen vertieft der Glaube. Für diesen Glauben stand mein alter Lehrer ein Leben lang gerade: Wie Christus von den Toten auferstanden ist, so werden auch wir in einem neuen Leben wandeln! Deswegen soll der letzte Sonntag nicht mehr Totensonntag heißen und nur an den Abschied erinnern. Sondern sein Name ist Ewigkeitssonntag, weil er uns an die Ankunft erinnern will: Das Schönste liegt noch vor uns!

Dr. Georg Gremels, Pastor im Ev.-luth. Missionswerk Hermannsburg