Irgendwie war ich nicht richtig in die Startblöcke gekommen, jetzt nach dem Urlaub. Telefon, Post, Besprechungen! Ein Termin jagte den nächsten. Meine Seele hing noch dem gemächlichen Tempo des Urlaubs nach.
Ich versuchte schon, meine Arbeit zügig zu erledigen. Aber die Sachen begannen mir über den Kopf zu wachsen. Hektisch wurde ich und nervös. Alles wollte ich auf einmal erledigen; doch stattdessen wurde ich fahrig und begann unsauber zu arbeiten.
Eines Abends – es war nach einer langen Sitzung – kam die Raumpflegerin in mein Büro. Eigentlich wollte sie sich diskret zurückziehen. Doch wir kannten uns gut. So wechselten wir ein paar Worte. Sie muss mit einem Blick gesehen haben, wie es um mich bestellt war. Denn sie meinte: „Lass sie liegen, die Arbeit! Erstens tut sie sowieso kein anderer für dich und wegrennen tut sie auch nicht!“
Ich war baff. Recht hatte sie! Und das erlösende Wort gesprochen. Ich musste lachen und stand von meinem Schreibtisch auf. Dann schloss ich die Schränke ab und packte die Tasche. „Danke für deinen guten Rat!“ Mit diesen Worten überließ ich das Arbeitsfeld ihr.
Auf dem Weg nach Hause musste ich in mich hineinlächeln. Ich sehe mich, wie ich viel Wirbel produziere und doch so wenig wegschaffe. Ich will es nächste Woche einfach einen Schritt langsamer angehen lassen, dachte ich. Und sofort war es wieder da, dieses Aber. Aber ich muss doch noch…
Da fiel mir eine Geschichte aus dem Markusevangelium ein. Jesus und die Jünger hatten viel Stress. So viele Menschen bedrängten sie, dass sich nicht einmal mehr zum Essen kamen. Da ging er mit ihnen einfach weg und ließ die Leute stehen. Als sie an einen einsamen Ort gekommen waren, sagte er nur: „Ruhet ein wenig aus!“
Das Wochenende hat begonnen. Auch da liegt vieles an, im Haus, im Garten, bei der Nachbarschaftshilfe. Ob ich auch einen einsamen Ort finde, um innezuhalten, auszuruhen? Keine Angst: Die Arbeit rennt unterdessen nicht weg!
Dr. Georg Gremels, Hermannsburg