Darf man wirklich alles zeigen? Nein, auch bei uns nicht! Es gibt Grenzen! Grenzen des Sittlichen: Bei der Kinderpornografie! Grenzen des Geschmacks: barbusige Damen in Jeans, die wie bei Leonardo da Vincis Abendmahl locker um Jesus herum sitzen. Wegen Geschmacklosigkeit aus dem Verkehr gezogen!
Es gibt auch Grenzen des Religiösen: Niemand soll sich über das lustig machen, was anderen heilig ist. Die Folgen spüren wir liberale Menschen am aufkochenden Zorn der Muslime. Auch wenn manche Erregung im Interesse der Mächtigen noch geschürt wird, müssen wir zu Zeit eine bittere Lektion lernen: Das Heilige anderer Religionen darf nicht zum Gespött der Leute werden. Denn wir sitzen auf einem Pulverfass!
Aber nicht nur bestimmte Bilder verbieten, sondern alle Bilder von Gott und Göttlichem verbieten? Geht das nicht zu weit? Solche Bilderverbote finden sich im Islam; es gibt sie auch im Judentum und in den reformierten Kirchen. Denn das zweite von zehn Geboten lautet (II Mose 20,4f): „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!“
In einer von Bildern und Illustrierten überfluteten Welt erscheint ein solches Gebot auf den ersten Blick unhaltbar, ja unsinnig! Welchen tieferen Sinn könnte es haben? Luther meinte, es ginge vor allem um die fixierten Bilder in unserem Inneren!
Denn genau darum dreht sich das zweite Gebot. Es meint die festgefahrenen Bilder in unserem Inneren. Fressen sich nicht gegenwärtig Bilder über den Islam, von Selbstmordattentätern und Islamisten, in uns fest? Und damit überdecken wir lebendige, liebenswerte Menschen. – Aber die anderen machen sich doch auch Bilder von uns! Schlimm genug, aber ändern können wir nur die eigenen. Denn Fixierungen sind tödlich! Höchste Zeit, Gottes Gebot zu folgen.
Das Missionswerk in Hermannsburg zeigt gerade eine Ausstellung: muslimische Frauen im christlichen Umfeld und christliche Frauen im islamischen. Ein Versuch, fixierte Vorstellungen zu durchbrechen und dem Leben Raum zu schaffen!
Dr. Georg Gremels, Wort zum Sonntag in der Celleschen Zeitung am 18. Februar 2006