Am vergangenen Dienstag habe ich Schülerinnen und Schüler einer 5. Klasse im Religionsunterricht gefragt, was für einen Tag wir haben. Reformationstag tönte es aus der einen und Halloween aus der anderen Ecke des Klassenzimmers. "Immerhin", dachte ich, "sie wissen noch, dass heute Reformationstag ist." Und sie wussten noch eine Menge mehr von Martin Luther und den Spuren, die er hinterlassen hat.
"Und worum geht's bei Halloween?" wollte ich wissen. Und dann sprudelte es aus ihnen heraus. "Ich hab mit meiner Mutter Kürbisse ausgehöhlt und Lichter hineingestellt. Das sieht ganz toll aus", erzählte Katharina. "Und ich feiere heute Nachmittag, wenn es dunkel wird, eine Gruselparty. Wir schminken uns gegenseitig und verkleiden uns als Gespenster. Und dann spuken wir durchs Haus. Das macht voll Spaß. Nur schade, dass meine beste Freundin nicht mitmachen darf", bedauerte Julia. "Die darf auch nicht Harry Potter lesen, weil es da ja auch um Geister und Zauberei geht. Sie lässt sich dann immer von mir erzählen, was ich gerade gelesen habe."
Frederick, genannt: der Professor, klärte uns auf, dass Halloween keltischen Ursprungs sei – habe er gerade gelesen - und die Kürbis-Fratzen böse Geister vertreiben sollten, an die heute ja wohl keiner mehr glauben könne. Außerdem sei das Fest erst in den letzten Jahren von Amerika nach Europa gebracht worden, weil mit solchem "Geisterkram" gute Geschäfte zu machen seien.
"Stimmt", bestätigte Julia, "Weiße Schminke ist zurzeit viel teurer als andere Farben. Das ist voll gemein. Als Gespenst brauchst du weiße Farbe!" "Und die Partygirlanden mit den kleinen Kürbissen sind dreimal so teuer wie normale", ergänzt ihre Nachbarin. "Wir haben uns daraufhin selber eine Kürbisgirlande gebastelt."
Dann überlege ich gemeinsam mit der Klasse, wie die Menschen lebten, als Halloween noch ernsthaft gefeiert wurde. Die lebten in Angst und Schrecken, weil sie wirklich an Hexen und böse Geister glaubten. Frederick weiß einiges über Hexen-Prozesse und über die unrühmliche Rolle, die die Kirche dabei spielte.
"Luther lebte in dieser Zeit", füge ich hinzu. "Und sein größtes Verdienst war es, dass er der Angstmacherei ein Ende gemacht hat. Eine Kirche, die Angst macht, passt nicht zum Gott der Bibel, der Menschen aus Angst befreit, war seine Meinung. Luther hat Androhungen wie Fegefeuer und Höllenqualen als Erfindungen entlarvt, mit denen Menschen gefügig gemacht werden sollten. Wenn ihr heute über Gespenster lachen, und angstfrei und fröhlich Halloween feiern könnt, dann könnt ihr euch immer noch bei Martin Luther bedanken."
Ich persönlich glaube nicht, dass man den Kindern ein schlechtes Gewissen machen sollte, wenn sie Halloween feiern. Dann müssten wir auch den Weihnachtsmann und die Ostereier als heidnische Symbole verbieten. Ich bin aber sehr dafür, aufzuklären und ganz im Sinne Luthers von dem Gott zu erzählen, der aus Angst befreit. Wie der Glaube an diesen befreienden Gott das Selbstbewusstsein des Einzelnen und die Verantwortung füreinander gestärkt hat und stärkt, davon können junge Menschen nicht genug erfahren.
Jedoch ausgerechnet Luther, der bei aller Ernsthaftigkeit ein Mensch mit einem ausgeprägten Sinn für Humor und Freude am Leben war, als Spaßbremse zu missbrauchen, dient sicher nicht der Bewahrung des Reformationsfestes.
Elke Drewes-Schulz, Schulpastorin aus Nienhagen-Papenhorst