In einer Umfrage im Juli heißt es: „Jeder zehnte Deutsche bekennt, seinen Brüdern oder Schwestern etwas zu missgönnen.“ Der Neid auf die Geschwister ist stärker vorhanden, als man denkt. Ich bin selbst mit vier Geschwistern groß geworden und habe erst später entdeckt, wie tief sich Neidgefühle festsetzen können. Und die geschwisterliche Beziehung leidet oft bis ins hohe Alter darunter.
Das erstgeborene Kind ist neidisch, wenn noch ein Geschwisterchen dazu kommt. Es steht nicht mehr im Mittelpunkt, das neue Geschwisterchen nimmt jetzt die umfassende Zuwendung der Eltern in Anspruch. Auch wenn Eltern dem entgegenwirken, kann sich der Geschwisterneid einnisten.
Der Neidische missgönnt dem anderen alles, was dem anderen Anerkennung und Aufmerksamkeit verschafft. Diese zerstörerische Kraft des Neids wirkt nicht nur unter Geschwistern, in der Familie, sondern auch in der Gesellschaft. Viele leiden darunter, dass Neid und Missgunst - statt Beistand und Hilfe - unter Kollegen gang und gäbe ist.
An manchen Fachwerkhäusern findet man einen so genannten „Neidkopf“, der die neidische Gesinnung der Neider abwenden soll; auch böse Mächte und Geister sollen den Menschen in diesem Haus nichts neiden. Nach Volkes Glaube sollen Unheil und böse Mächte durch den Neidkopf abgewehrt werden.
Im Buch der Weisheit, Kapitel 6, heißt es: „Ich will mit dem giftigen Neid nichts zu tun haben; denn er hat nichts gemein mit der Weisheit.“
Die Weisheit Gottes will uns Mut machen, den persönlichen Krieg aus Neid und Missgunst einzustellen. Denn der Neid ist wie ein Gift, das die Verantwortung für einander lähmt und alle Versuche der Versöhnung blockiert. Neid will spalten - aber nicht versöhnen. Die Weisheit Gottes ist das Wort vom Kreuz Jesu. Vergeben können und einen neuen Anfang wagen, das hat etwas mit der Kraft der Weisheit vom Kreuz Christi zu tun.
Lassen wir uns von Gott die Weisheit schenken, dass wir erkennen: wir sind Schwestern und Brüder, die keinen Bruderkrieg und keine Gotteskrieger brauchen, um die lokalen und globalen Probleme erträglicher zu gestalten. Gott wird einmal fragen: „Was hast du mit deinem Bruder gemacht?“ In Christus, der unser Menschenbruder geworden ist, gewinnt der Glaubende die Kraft, um neue Möglichkeiten der Nächstenliebe zu finden.
Erich Schüttendiebel
Lobetalarbeit