Warum trifft es manche doppelt und dreifach? Und wenn dann die Frage kommt „Womit habe ich das verdient - wofür werde ich so bestraft?“, macht es einen ganz stumm. Die Frage ist so sinnlos. Als wären wir Glücklicheren auch noch bessere Menschen!
Aber mit manchen geht das Leben grausam um. Jeder Schicksalsschlag für sich hätte schon gereicht: Mit elf die Mutter verloren, im Konfirmandenalter den Vater. Dann blieb nur das Internat. Inzwischen war Krieg. Und bis er beruflich endgültig Tritt fassen konnte, war er 44! Nein, es war nicht bloß so daher gedichtet: „Was ist mein ganzes Leben / von meiner Jugend an / als Müh und Not gewesen“ – selten ging’s mal einfach glatt. Als er mit 48 heiratete, hätte es gut werden können. Aber das kleine Mädchen, das kam, mussten sie mit neun Monaten begraben, wie noch drei weitere Kinder. So muss es sein, „wenn ich und du ihn nicht mehr spüren“ – Gott sieht nicht, Gott will nicht, Gott hilft nicht. Es reicht. Gott, warum? - Ende 50 ist er, als ein Gewissenskonflikt ihn seinen Arbeitsplatz kostet, zwei Jahre später stirbt seine Frau. Ein 60-jähriger Vater und sein neunjähriger Sohn sind der Rest der Familie. Was ist daran gerecht? Wo bist du, lieber Gott?
Ach, hätte er gesagt, das ist zu billig. Und wenn Gott sich für mich nicht schon zwischendurch hineingemischt hätte – die Christlichkeit der damaligen Zeit hätte es dann auch nicht gemacht; die war so doll nicht mehr nach dreißig Jahren Religionskrieg. Es war anders: „Als ich furchtsam und verzagt / mich selbst und mein Herze plagt, / … als mir aller Mut entfiel, / tratst du, mein Gott, selbst ins Spiel, / gabst dem Unfall Maß und Ziel.“ Jedenfalls im Rückblick ließ es sich so sehen. Und damals, was half mitten in den Problemen, für Gott den Blick zu behalten? „Sein Sohn war ihm nicht zu teuer, / nein, er gibt ihn für mich hin“ – sagen wir so: Gott weiß selbst etwas davon, wie weh das tut. Das kann man ihm ansehen – „sein Sohn“! Nur mit Blick auf Jesus wacht in solchen Momenten wieder etwas auf wie Glaube. Ganz gleich, ob einer Paul Gerhardt heißt oder wie auch immer.
Gewiss ist das noch keine Antwort auf die Frage „Womit habe ich das verdient? Gott, warum?“ Aber da hat sich etwas verformt, und das ist gut: Es ist ein „Gott, wohin?“ daraus geworden, unterwegs durch die Wüste der Probleme. Gott Zeit geben lernen, das ist auch so eine neue Erfahrung im Glauben. Und selbst dem schlimmsten Fall nicht das Recht geben, unserem Glauben die Erwartung „Gott – und was jetzt?“ zu entziehen: „Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, / tritt er herzu, uns wohl zu führen“ – auch das ist eine Realität. Eine, die diesen vielgeprüften Menschen in geeignetem Moment „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ dichten ließ. Darum am 12. März: herzlichen Glückwunsch zum 400. Geburtstag, Paul Gerhardt! Und: Danke.
Michael Wohlgemuth, Pastor in Klein Hehlen<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />