„Ich bin dann mal weg“

Sie sahen etwas erschöpft aus. Erschöpft, aber zufrieden. Einer setzte gerade seine Trinkflasche an den Mund und nahm einen tiefen Schluck. Die anderen schlenderten rucksackbepackt durch die Sonne am Mühlengraben entlang und blickten hinüber zum Wienhäuser Kloster.

Es war eine Pilgergruppe von angehenden Pastorinnen und Pastoren, die mir vor ein paar Tagen begegnete. Sie hatten schon etliche Kilometer zwischen verschiedenen Heideklöstern in den Beinen und jetzt ihre letzte Pilgerherberge erreicht.

Pilger gibt es schon lange. Einer der ersten, von dem wir es wissen, war Abraham. In der Bibel wird erzählt, dass er auf den Ruf Gottes hin sein altes Leben zurückließ und sich mit seiner Familie auf den Weg machte. Viele Nachkommen und Land zum Siedeln versprach Gott ihm als Lohn für seinen Mut, in eine unbekannte Zukunft aufzubrechen.

Seitdem wird überall gepilgert: nach Jerusalem, Rom oder Santiago de Compostela - aber  eben auch nach Wienhausen.

Was ist dran an solchen frommen Wanderungen?

Für die Pilger ist der Weg das Ziel. Unterwegs wollen sie sich selbst besser kennen lernen, Zeit haben zum Nachdenken über sich und Gott. Nicht nur die Füße bewegen sich fort, sondern auch das Innenleben, vielleicht hin zu mehr Gelassenheit oder zu einem neuen Sinn.

Dazwischen immer wieder Rastpunkte in Pilgerherbergen oder am besten im Kloster: ausruhen, essen, trinken, die schöne Atmosphäre des Ortes erleben - Tankstellen für Leib und Seele.

Und schon geht es weiter auf die nächste Etappe nach draußen und nach innen.

So ein Pilgerweg muss wirklich sehr besonders sein. Nicht umsonst ist Hape Kerkelings Pilgerbuch „Ich bin dann mal weg“ zum Bestseller geworden. Es tut anscheinend gut, für eine bestimmte Zeit das normale Leben hinter sich zu lassen und auf dem Weg sich selbst und Gott zu begegnen.

Jochen Grön, Pastor St. Marien Wienhausen