Es wird heller

Alle Jahre wieder wird aus dem unscheinbaren Häuschen am Ortseingang von Nienhagen ein wahrer Lichterpalast. Und alle Jahre wieder bin ich gespannt, was es diesmal Neues gibt bei der weihnachtlichen Lichtershow. Der Strom der Berufspendler, mit dem ich mich frühmorgens Richtung Hannover bewege,  scheint sich einig zu sein: Hier fährt man in der Adventszeit langsamer, viel langsamer als sonst. Und das, obwohl man gerade das Ortsende-Schild passiert hat.

Zugegeben: Mit der gigantischen Lichterpracht eines nahe gelegenen Möbelhauses kann das Häuschen nicht mithalten. Aber die überrascht auch nicht. Da hingegen, wo man es nicht vermutet, wo alles klein und unscheinbar zu sein scheint, da strahlt das Licht anders.

Viele Menschen haben Freude daran, im Advent  ihre eigene kleine Welt  herauszuputzen. Lichter tun einfach gut in dieser düsteren Jahreszeit. Vor allem tut es gut, dem eigenen kleinen Lebensraum etwas Glanz zu verleihen.

Er ist es wert.  

Davon erzählt die alte Weihnachtsbotschaft und das macht ihren Reiz aus – nach wie vor: Das Kleine und Alltägliche kommt ganz groß raus: Ein Kind wird zum Retter der Welt. Es wird den Ohnmächtigen Macht verleihen und Stärke den Schwachen.

Es wird den Blick auf die Menschen lenken, die im Verborgenen, in kleinen, bescheidenen Verhältnissen so viel Gutes tun.

Wie zum Beispiel Edith. Sie ist Oma im Ehrenamt. Die 64-Jährige hat selbst keine Enkelkinder - ihre Tochter ist vor vier Jahren tödlich verunglückt. Seit zweieinhalb Jahren schon macht sie bei einem Großelterndienst mit. Das Projekt des Berliner Frauenbundes e.V. richtet sich an Eltern mit Kindern bis sieben Jahre. Sie unterstützen vor allem Alleinerziehende, aber auch Familien, bei denen beide Elternteile berufstätig sind. Der Großelterndienst bringt Wunsch-Omas und -Opas und Suchende zusammen.

Zwei Mal in der Woche holt Edith die fünfjährige Luise und ihren kleinen Bruder Jan von der Kita ab, geht mit ihnen hinaus zum Spielen, vor allem aber liest sie den Kleinen viel vor - das trainiert ihre Sprachfertigkeit.

"Woan, tuuu, srii…", fängt Luise auf Englisch an zu zählen. Woher sie das kann? "Das hat mir Edith beigebracht", sagt sie stolz. Die 5-Jährige findet es toll, dass die Wunsch-Oma oft bei ihnen ist. "Mein Herz wird so weit, wenn ich mit den beiden zusammen bin", sagt Edith und lächelt. "Ich bin 64 und werde von Tag zu Tag jünger."

Weihnachten ist so etwas wie der Gedenktag der kleinen Leute. Die kleine heile Welt feiert sich selbst und wird gefeiert. In der Hoffnung, dass irgendwie etwas auf unseren Alltag abfärbt, dann wenn die weihnachtliche Lichterpracht wieder erloschen ist.

Schulpastorin Elke Drewes-Schulz,

Nienhagen-Papenhorst