Weihnachten - ein starkes Fest

Weihnachten! In wenigen Tagen ist es so weit. Doch eine Weihnachtspredigt – nein, nie werde ich sie vergessen. Heiligabend in der Kirche. Ich noch Konfirmand. Die kurze Predigt bestand fast nur aus einem Satz: „Weihnachten ist ein starkes Fest!“

Auf dem Heimweg stritten wir. Ich: „Unsinn, wie kann ein Fest stark sein? Ein Mensch kann stark sein, ein Elefant ist stark, eine Wirtschaft... – aber ein Fest?“ Eine ganz blöde Weihnachtspredigt!“ Meine Mutter: „Doch, sieh nur, wie viele Menschen dieses Fest bewegt. Alle feiern Weihnachten, sogar die, die mit Kirche nichts zu tun haben.“ So ging es hin und her bis in die Nacht hinein.

Weihnachten ist ein starkes Fest. Wie wahr! Je älter ich werde, desto wahrer wird mir diese Predigt. Ein starkes Fest! Kein Geschäft, das nicht Weihnachtslichter und Weihnachtsglimmer aufleuchten lässt. Keine Großhandelskette, die auf eine weihnachtliche Ecke mit Spekulatius und Weihnachtsmännern verzichtet. Kein Radiosender, der nicht – und wenn im Scherz – die kommenden Weihnachtstage besingt oder bedudelt.

Keine Kirchengemeinde ohne Weihnachtsbasar, kein Wohltätigkeitsunternehmen ohne Weihnachtstombola, keine Hilfswerk ohne Weihnachtsspendenformular, keine Vorabendserie ohne Weihnachtskonflikte.

Weihnachtsgänse, Weihnachtsplätzchen, Weihnachtspunsch, Weihnachtsgeschenke, Weihnachtserwartungen, Weihnachtsdepressionen, Weihnachtsbesuche, Weihnachtsurlaub, Weihnachtsgeld... Und und und! Unweigerlich zieht es dich in seinen Wirbel, dieses Fest.

Alle! Selbst in China, so ein guter Freund, drücken sich die Kinder zu Weihnachten die Nasen an den Schaufenstern platt. Warum? Sie bewundern dort das Christkind und die Krippe. Er hat mehr als recht, mein Pastor, der mich konfirmierte: Weihnachten ist ein starkes Fest.

Wie ein Wirbel zieht es uns immer stärker in seinen Strudel hinein. Doch im Zentrum der Weihnacht – wie im Auge des Taifuns –ist es still. Bevor uns dieses Fest über das Neue Jahr wieder hinaus ins Leben wirbelt, ist es für einen Moment still. Und in dieser Stille kommt die Mitte der Weihnacht, zu Worte: Dass der Größte ganz klein kommt, der Reichste ganz arm und der Göttliche ganz menschlich – nur um uns nahe zu sein! Das ist das stille Geheimnis der starken Weihnacht, um das sich alles dreht.

Dr. Georg Gremels, Hermannsburg