Morgen wählen wir einen neuen Landtag. Die Kandidaten lächeln noch einmal großflächig um unsere Gunst. In Zeiten des Wahlkampfes wollen sie möglichst breiten Wählerschichten gefallen. Das ist verständlich und spiegelt sich eben in dem Lächeln wieder, das unsere Straßen säumt. Wähler sollen gewonnen werden. Ich fühle mich eher von Dauerlächlern umstellt. Und eine Wahl ist ja kein Schönheitswettbewerb. So kommt kein Profil zustande. So bleibt konturenlos, was doch Gestalt gewinnen sollte. Alle sind für soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliches Wachstum, für Bildung und für die Umwelt. Dagegen wird keiner etwas sagen. Wo bleiben die Unterschiede?
Ich hätte mir gewünscht, dass Kandidaten sich stärker positionieren, auch mal Unbequemes aussprechen. Dass sie etwas wagen, auch wenn sie sich damit dem Risiko aussetzen, in die Kritik zu geraten. Konkret: wenn da jemand sagt, sie sei für die Abschaffung des christlichen Religionsunterrichtes, dann gefällt mir das in der Sache nicht. Aber mir gefällt, dass da eine couragiert ist und aus der Deckung kommt.
Dazu braucht es Mut und Rückhalt und Unabhängigkeit. Qualitäten, die ich unseren Kandidaten wünsche. Denn wenn diese Stützen fehlen, nehmen Politiker langfristig Schaden. Das kann keiner von uns wollen. Diese Menschen setzen sich für unser Gemeinwohl ein. Sie arbeiten in aller Regel hart und unter großem Einsatz. Sie nehmen eine Unzahl von Terminen wahr. Wie sollen wir ihnen da nicht Gutes wünschen? Sie brauchen unsere Anerkennung und unseren Zuspruch.
Was also wünsche ich den Kandidaten? Wir Christen reden von Gottvertrauen, wenn wir davon sprechen, was uns unabhängig und frei und stark macht: Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2.Timotheusbrief 1,7)
Dass sie diesen Geist wahrnehmen, wünsche ich den Kandidaten; denen die morgen gewählt werden und den anderen erst recht.
Gabriele Ahnert-Sundermann, Pastorin in Klein-Hehlen