Ein Mann, eine Erkenntnis und eine Verwandlung

200 Jahr Ludwig Harms – am Montag ist es so weit. Dann jährt sich der 200. Geburtstag dieses kantigen Niedersachsens. Er stieß für Hermannsburg und die Südheide das Tor zur weiten Welt auf. Denn er wollte den Menschen und Völkern das Beste bringen, was Europa zu bieten hat: das Evangelium von der unbedingten Liebe Gottes zu allen Menschen!

Was hat sein Leben so verwandelt? Er krempelt eine Gemeinde um, fasziniert Menschen gründet ein Missionsseminar in der Heide und baut als Landratte ein Schiff. So manche meinten damals: „Er ist eben einfach verrückt!“ Ver-rückt. Ja, das ist er! – Denn eine Erkenntnis ver-rückt sein Leben. Anders lässt sich nicht erklären, wie er ein solches Werk aus dem Boden stampfen konnte.

Eine Gotteserkenntnis! Lange hatte er sich an einem Bibelvers die Zähne ausgebissen. Es ging darin um erfülltes, ganzes, kurz um glückliches Leben. Wer Gott erkennt, der sollte es haben, dieses volle, pralle Leben. Aber soviel er auch grübelte, davon spürte Harms nichts. Im Gegenteil: Kreuzunglücklich wurde er darüber.

Doch dann dämmerte es ihm, wurde heller und ging ihm schließlich wie ein helles Licht auf: Gott ist in diesem Jesus Christus. Wie er ist Gott nicht nur oben, sondern auch unten. Also nicht nur im Wohlstand, sondern auch im Übelstand. Nicht nur in der Gesundheit, sondern auch in der Krankheit. Nicht nur im Erfolg, sondern auch im Scheitern. Nicht nur im Leben, sondern auch im Tod.

Da war sie weg, seine Angst, eine doppelte Angst. Die eine Angst: Ich kann die Höhe des Glücks nicht erreichen, wie sehr ich mich auch abstrampele. Und die andere Angst: Ich kann den Abgrund meines Scheiterns nicht vermeiden, so sehr ich mich auch dagegen wehre. Wenn Gott aber in beidem ist, in den Höhen und in den Tiefen, dann brauche ich vor nichts Angst haben. Ich bin immer bei ihm!

Aber wie vermag Gott das, zugleich oben und unten zu sein? Wie kann er im Lachen und im Weinen sein? Wie kann er im Reichtum und in der Armut sein? Das Widersprüchliche vereinen, das kann nur die Liebe. Da schließt sich der Kreis. Harms ist sich gewiss: Diese Liebe, die das Widersprüchliche vereint, bin ich allen Menschen schuldig. Und deswegen will ich sie bis an die Enden der Erde zu tragen. Geburtsstunde einer Sendung, die bis heute anhält. Geburtsstunde seines Missionswerks! 

Dr. Georg Gremels, Pastor im Missionswerk in Hermannsburg