Es verändert sich was! Es verändert sich was!

Obama ist Präsident des mächtigsten Staates der Welt! Eine Welle der Hoffnung und Begeisterung schwappt durch die gebeutelten Vereinigten Staaten von Amerika. Und auch wir bekommen ein paar Spritzer ab. Gott schütze den Präsidenten! Er statte ihn aus mit Weisheit und  Weitsicht, mit den richtigen Beratern und den zutreffenden Programmen!

Ich könnte mir vorstellen, dass die Stimmung jenseits des Großen Teiches derjenigen ähnlich ist, die bei uns vor nunmehr 19 Jahren, am 9. November 1989, herrschte. Erinnern Sie sich? Grandios war das. Unvorstellbar! Inzwischen ist zwar Ernüchterung eingekehrt, aber der 9. November 1989 ist und bleibt eines der ganz großen Daten in unserer Geschichte.

Am vergangenen Wochenende haben wir unsere Magdeburger Freunde besucht. Gemeinsam haben wir am Abend des Allerheiligenfestes im Magdeburger Dom ein Konzert auf der neuen großen Domorgel gehört. Als wäre dies das Allerselbstverständlichste von der Welt. Werke des phänomenalen Olivier Messiaen aus Anlass seines 100. Geburtstages. Zu Zeiten der DDR wäre das „entartete Kunst“ gewesen. Solch spannungsgeladene Musik konnte unmöglich dem harmonischen Aufbau des Sozialismus dienen. Bei den Nazis war Messiaen ohnehin verboten. Und heute? Welch ein Erlebnis im ältesten deutschen Dom (auch wenn der völlig ungeheizt war!)!

Zum 9. November gehört aber - gerade in diesem Jahr! – auch die Erinnerung an den 9. November 1938. Vor 70 Jahren brannten die Synagogen. Oder sie wurden – wie in Celle – mit Äxten demoliert. Hier wurde die Synagoge nur deswegen nicht angezündet, weil man Angst hatte, der Brand würde auf die ganze Altstadt übergreifen. Die heiligen Gefäße und die Leuchter wurden geraubt, die Rollen mit den Heiligen Schriften mit Spitzhacken zerstört. Geschäfte von jüdischen Händlern wurden geplündert, Schuhe und Kleidung gestohlen oder auf die Straßen geworfen zwischen die Scherben der eingeschlagenen Schaufensterscheiben. Glasscherben überall – daher „Kristallnacht“. Und die Bevölkerung hat mitgemacht, zum Teil angeordnet, zum Teil spontan – daher „Pogromnacht“.  

Der Widerstand war – glaubt man den Quellen – nicht nennenswert. Doch nur, wenn wir uns dem Versagen unserer Eltern und Großeltern stellen, das vermutlich auch unser eigenes Versagen hätte sein können, nur wenn wir uns erinnern, gewinnen wir Einsichten für ein friedliches Zusammenleben in der Zukunft. Bei uns. In Amerika. Weltweit. Dazu helfe uns ein gnädiger Gott! ( Wort zum Sonntag in der Celleschen Zeitung)