Zum ersten Advent werden Plätzchen gebacken – na gut: gebacken und gekauft, denn es ist noch so viel anderes zu erledigen. Aber selbst wenn die Zeit knapp ist, versuchen wir wenigstens eine Sorte Plätzchen zu backen. Große Mengen in die Schüssel: Mehl, Zucker, Sirup und Gewürze. Es duftet nach allen Wohlgerüchen Arabiens – so schwärmte meine Mutter früher – und schmeckt nach Kindheit. Kräftig durchkneten, dann ist der Teig fertig und wird auf großer Fläche ausgerollt.
Formen zum Ausstechen sind Glocke, Stern, Tannenbaum, Bär und Engel. Eine zufällige Mischung, die sich ergeben hat, weil wir die Figuren im Laufe der Jahre geschenkt bekommen haben. Die Glocke nehme ich, wenn große Flächen auszustechen sind, der kleine Bär für die Reste. Der Engel mit seinem ausladenden Flügel braucht Platz, der Tannenbaum passt oft in die Lücke.
Eine wirklich kuriose Mischung. Warum eigentlich Tannenbaum und Bär? Ein Tannenbaum stand nicht an der Krippe und von einem Bär wissen wir auch nichts. Aber ich lasse mich davon nicht aus dem Takt bringen, Keks für Keks entsteht, ob das Motiv nun Engel oder Schneemann ist. Und das ist richtig so. Ich finde im Advent darf es fröhlich durcheinander geraten: Schneemann und Hirten, Adventskranz und Glühwein. Einiges stammt aus der biblischen Geschichte von Jesu Geburt, anderes haben wir dazu erfunden, weil es schön ist.
So ist es richtig, gerade, wenn wir uns auf Jesu Geburtstagsfeier vorbereiten. In seiner Geburt kommen unterschiedliche Welten zusammen: Engel, Gott und das Kind von Gott; andererseits der Handwerker aus Nazareth, ein junges Mädchen und die Hirten, ein Viehstall und drei Reisende aus dem Orient. Gott wird Mensch und über unserer kleinen, abgeschlossenen Welt geht der Himmel auf.
Wenn wir uns in der Adventszeit darauf einstimmen, dann tun wir gut daran, das Heilige im Alltäglichen zu suchen. So unglaublich es erscheinen mag, aber plötzlich glitzert bei uns zuhause der Sternenstaub des Ewigen auf. Gott wird Mensch. Er kommt in unsere Küche und vielleicht sogar in unser Herz.
PS: 750g Mehl, 250g Sirup, 250g Zucker, 1 Ei, 250 g Butter, Lebkuchengewürze, alle Formen, die sie haben und dann die ausgestochenen Figuren aufs Blech; 10 Minuten bei 175 Grad backen. Guten Appetit!