Warten in Geduld – der lange Atem

Jetzt in der Adventszeit, in der es jeder eilig hat, ist Warten eine harte Geduldsprobe. Der Blutdruck steigt, wenn man in eine Warteschleife beim Telefonieren kommt oder wenn man noch dringend zum Arzt muss, und sich die Warteschlange nur im Schneckentempo abbaut. Die einen stellen sich mit Geduld an, denn was will man anderes machen, wenn man krank ist und den Arzt aufsuchen muss? Andere versuchen sich mit fadenscheinigen Argumenten an der Schlange vorbei zu mogeln. Hin und wieder sind dann auch Stimmen zu hören: Warum wird nicht mehr Personal eingestellt, dann würde alles schneller gehen? Ebenso ergeht es vielen an der Kasse im Supermarkt. Drängeln oder Schieben hilft nicht weiter, sondern verstärkt nur noch den Frust.

Man muss schon einen langen Atem haben, um sich in Geduld zu üben. Die Erwartungen steigen und die Zeit wird knapper - wie soll da noch alles erledigt werden? Nur wer einen Gang langsamer schaltet, verdirbt sich nicht die Freude an der schönen Adventszeit.

Geduld gehört in das Leben hinein. Von der Natur kann man lernen, dass viele Dinge im Leben nicht beschleunigt werden können.

„Der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen“ (Die Bibel, Brief des Jakobus)

Der Bauer findet nur Geduld, weil er die Einsicht zulässt, dass Warten zum Wachstum dazugehört. Ungeduldig gegen den Rhythmus der Natur an zu wirken macht einen nur ungenießbar.

Wenn ich in eine Schlange komme, die sich im Schneckentempo bewegt und meinen Blutdruck steigen lässt, dann bete ich zu Gott und bitte Gott um Gelassenheit, damit ich geduldig werde:

„Herr, gibt mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann.

Und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Das Gebet in der Warteschlange lässt zur Ruhe kommen und schenkt den Blick für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Nicht alle meine Zeitabläufe muss ich jetzt durchsetzen, meine Wünsche muss ich mir nicht jetzt erfüllen.

Der Geduldige sieht, dass sich Dinge entwickeln können, die heute noch nicht erfüllbar sind. Die Geduld kann warten auf unerfüllte Wünsche und Träume. Geduldig ist auch, wer Schwierigkeiten und Leiden mit Gelassenheit erträgt.

Geduld schenkt eine Gelassenheit, die anderen hilft, die Geduld zum Leben immer wieder neu zu entdecken. Ich wünsche Ihnen eine gute, gesegnete Adventszeit.

Erich Schüttendiebel
Lobetalarbeit