Von der Gier geheilt

„Der ganze Ort spricht von dir, Zachäus, was war denn da neulich abends bloß los bei euch?“ fragt Rafael  den Zachäus, seinen Kollegen vom Zoll. „Es heißt, du verteiltest Geld an die Armen, vierfach sollst du angeblich denen ihr Geld zurückgeben, denen du es vorher mit Mühe abgeknöpft hast. Bist du noch ganz gesund?“

„Ich war noch nie im Leben so gesund, mein lieber Rafael,“ antwortet lachend Zachäus. „Seit Jesus bei uns zu Hause war, ist alles anders: ich kann wieder ruhig schlafen; meine Frau und ich zanken nicht mehr; meine Kopfschmerzen sind wie weggeblasen; ich nehme mir wieder Zeit für die Kinder; die Nachbarn grüßen mich wieder. Ich fühle mich einfach prächtig!“

„Muss ich das verstehen?“ fragt Rafael völlig verdutzt. „Das muss ja ein toller Mann sein, dieser Jesus!“

„Ist er auch,“ meint Zachäus, „ich hab das ja geahnt, als ich hörte, dass er bei uns durchzieht. Deshalb bin ich auf den Baum geklettert, um ihn zu sehen. Aber nicht ich habe ihn zuerst gesehen, sondern er mich. Er hat mich herunter gebeten, und ich habe ihn spontan zu uns nach Hause eingeladen. Meine Frau hat schnell ein kleines Abendessen gezaubert mit frischem Brot, Käse, Oliven und Rotwein.“

„War er allein?“ will Rafael wissen.

„Nein“, sagt Zachäus, „zwei seiner Vertrauten waren dabei, Petrus und Johannes, auch die Frau vom Petrus war mit und eine Begleiterin Jesu,  die Maria Magdalena – bildhübsch und blitzgescheit, dabei sehr zurückhaltend, eine tolle Frau!“

„Und worüber habt ihr geredet?“

„Na erst mal ganz allgemein über Gott und die Welt, was man halt so bei einer Mahlzeit redet. Aber dann kam Jesus sehr schnell auf Fragen der Wirtschaft zu sprechen. Er wisse ganz genau, wie wir Finanzleute an unser Geld kämen. Ob ich denn noch nie die Propheten gelesen hätte. Die verurteilen die Art, wie wir mit den Armen umgehen, auch mit denen, die bei uns Geld leihen, von denen wir es mit hohen Zinsen zurücknehmen. Er hat das gar nicht besserwisserisch gesagt, aber es ging mir unter die Haut. Natürlich kenne ich die Propheten und ihre Worte über die Gerechtigkeit. Aber ich habe immer gedacht, das habe mit meiner Art, Geld zu verdienen, nichts zu tun.“

„Haben die Hohenpriester den Theologen nicht verboten, sich in weltliche Dinge einzumischen?“ will Rafael wissen. „Das haben sie in der Tat,“ sagt Zachäus. „Und die Reichen haben das gut honoriert. Aber Jesus schert sich einen Dreck um solche Verbote. Für ihn gehört alles mit allem zusammen, eben auch beten und Geld verdienen. Ach, Rafael, ich bin einfach glücklich und zufrieden seit jenem Abend mit Jesus!“

Otmar Schulz, Theologe und Publizist, Papenhorst

 

 

 

 

 
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