"Sieger schauen nach vorne"

Ein Sieger sollte in diesem Jahr das Image der CeBIT polieren helfen: Arnold Schwarzenegger, der Sieger schlechthin. Der kam, sah und sprach den bedeutenden Satz: „Sieger schauen nach vorne.“

Und er lebt diesen Satz. Bereits in frühester Jugend begann „Arnie“, wie der Gouverneur kumpelhaft genannt wird, das Krafttraining. Daraus wurde jenes Bodybuilding, das er erfolgreich zu seinem Lebensinhalt machte. Zunächst in Deutschland, dann in den 70-er Jahren in Amerika. Von 1967 bis 1975 setzte er seinen Körper bei 50 Wettbewerben in Pose. 47 Mal bestieg er das Siegerpodest, wurde fünfmal zum Mr. Universum und siebenmal zum Mr. Olympia gekürt. Nebenher war er erfolgreicher Immobilienmakler. Er war bereits steinreich, als er zum Film ging. „Conan der Barbar“, „Terminator“ eins/ zwei/ drei...

Arnie heiratete Maria Shriver, die Nichte John F. Kennedy’s, damals schon eine berühmte Frau, auch ein Siegertyp. Sie haben vier Kinder. Schließlich brachte er es zum Gouverneur von Kalifornien. „Sieger schauen nach vorne.“

Das wusste auch Jesus, als er sagte: „Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes.“ Allerdings ging es Jesus um den Sieg von Menschlichkeit und Gerechtigkeit und nicht um den 1. Platz auf dem Podest.

Ich spüre unter uns eine Sehnsucht nach eben dieser Gerechtigkeit, eine Sehnsucht nach neuer Hoffnung, nach frischem Mut. Wir sehnen uns nach einer Kraft, die uns hilft die Mächte des Marktes zu durchschauen und zu beherrschen, und die es uns zugleich ermöglicht, unser eigenes Leben zu meistern – auch ohne Bodybuilding und Körperkult.

Die Kraft, die Hoffnung und Mut schafft, ist die Kraft der Nächstenliebe. Sie sieht eigene Ziele klar vor sich, verliert dabei aber diejenigen nicht aus dem Auge, denen unterwegs die Puste ausgegangen ist, die am Wegrand liegen geblieben sind. Sieger nehmen Verlierer bei der Hand und helfen ihnen, den Kopf wieder hoch zu kriegen und einen neuen Blick nach vorne zu wagen. Miteinander schauen sie in eine offene Zukunft.

Otmar Schulz, Theologe und Journalist, lebt in Papenhorst