Geld oder Leben

Vertrauen kann sieben Millionen Euro kosten. Es kann blind sein und falsch. Vielleicht auch verzweifelt. In diesem Fall war es teuer.  

Sieben Millionen Euro erhielt Helg Sgarbi von Susanne Klatten, der reichen und vertrauensvollen Frau. Einige weitere Millionen Euro von anderen Frauen, ebenfalls reich und vertrauensvoll. Mit allen hatte er eine Beziehung. Allen erzählte er die gleiche Geschichte von einem Autounfall, bei dem er ein Kind verletzt habe. Nun werde er von den Angehörigen bedroht. Die Frauen zahlten. Mit Geld, mit ihrer Leichtgläubigkeit, später mit ihrem Stolz und ihrer Würde. Erst als Helg Sgarbi versuchte, Susanne Klatten zu erpressen, zeigte sie ihn an. Helg Sgarbi muss für sechs Jahre in Haft. Er hat sich bei seinen Opfern entschuldigt. Geändert hat das nichts. Wo das erbeutete Geld geblieben ist, hat er nicht gesagt. Vielleicht ist das auch nicht wichtig. Kein Geld der Welt zahlt Vertrauen zurück.

Nun besitzen hierzulande die wenigsten Menschen sieben Millionen oder mehr Euro, die sie leichtgläubig an einen Betrüger vergeben könnten. Aber: Wir alle haben Vertrauen. Und dieses Vertrauen verschenken wir auch. Wir schenken einer Sache Vertrauen, einer Geschichte oder eben einem Menschen. Wir setzen unser Vertrauen in etwas. Oder wir vertrauen auf jemanden. Wir alle haben Vertrauen, und wir alle haben viel zu verlieren. Vor allem: Menschen. Wenn zwischen Freunden kein Vertrauen mehr ist, wird es still. Liebende verlieren einander, denn ohne Vertrauen wird eine Liebe schal. Kaum etwas ist so einschneidend wie Misstrauen, wenig hinterlässt so tiefe Risse wie enttäuschtes Vertrauen. Nicht nur Susanne Klatten, jeder, der einmal die Erfahrung gemacht hat, in seinem Vertrauen enttäuscht und betrogen worden zu sein, weiß danach wohl vor allem eines: der Weg zurück ist mühsam.

Jesus von Nazareth wurde von einem seiner Freunde verraten und an seine Gegner ausgeliefert. Einen Tag später war er tot. Drei Tage später ist er auferstanden. Über Verrat und Vertrauensbruch hinweg. Von zwei Männern wird erzählt, dass sie an diesem Tag unterwegs waren von Jerusalem nach Emmaus, einem Ort in der Nähe. Enttäuscht, denn sie hatten gehofft, dass Jesus eine neue Herrschaft in Israel aufrichten würde. Stattdessen war der gedemütigt und gekreuzigt worden. Unterwegs begegnet ihnen ein Mann, schließt sich ihnen an und lässt sich die Geschichte erzählen. Beim gemeinsamen Abendessen erkennen die Männer: ihr Begleiter ist Jesus, der Auferstandene. Sie kehren sofort nach Jerusalem zurück, um allen davon zu erzählen. Ein leichter Weg, vermutlich.

Vertrauen kann sieben Millionen Euro kosten. In diesem Fall ist es umsonst. Ein Geschenk fürs Leben. Bescherung ist zu Ostern.

 

Pastorin Dr. Dorothee Arnold, Celle