Coming home

Coming home

Der Fußballspieler Michael Ballack hat sich den kleinen Zeh gebrochen. Das ist für ihn schmerzhaft und durchkreuzt die Vorbereitung auf die kommende Saison. Ein Schlag auf den Zeh in einem Zweikampf beim Testspiel mit seinem Verein FC Chelsea gegen die Seattle Sounders reichte. Ballack trat die Heimreise nach England an. Das wirkliche Drama dieser Verletzung besteht aber darin, dass seine Teilnahme am Länderspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Aserbaidschan gefährdet ist. Die Fußballnation wird also in den nächsten Wochen besorgt über den Ärmelkanal hinweg Ballacks Zeh beobachten. Bis zum 12. August hat der Zeit, zur Zufriedenheit aller wieder zusammen zu wachsen.

Zumal wenn man kein Fußballfan ist, kann man nun berechtigterweise einwenden, dass es weitaus wichtigere Dinge zu bedenken gibt als den rechten oder linken kleinen Zeh von Herrn Ballack. Und dass er nun humpelnd zu Frau und Kindern zurückkehrt, mag man bedauern. Doch sieht man von Nationalmannschaft und Premier League ab: Von Bedeutung ist es nicht. Aber es erinnert an eine andere Geschichte, in der auch ein Mann nach einem Zweikampf humpelnd zu seiner Familie zurückkehrt. Sie ist allerdings von Bedeutung.

Beeindruckend sind dabei die Wucht des finalen Schlags und die Dauer des Kampfes. Im Gegensatz zu Michael Ballack, der mit einem kurzen Schlag auf den Zeh davongekommen ist, muss der Mann in der anderen Geschichte die ganze Nacht lang kämpfen. Zunächst sieht es dabei auch gar nicht so übel für den Mann aus, bis ihm sein Gegner auf die Hüfte schlägt. So heftig, dass das Hüftgelenk verrenkt wird. Und so kommt der Mann – er heißt übrigens Jakob – nach Sonnenaufgang hinkend zu seiner Familie zurück.

Hier enden die Parallelen mit Michael Ballack, und hier wird die Geschichte wirklich bedeutsam. Denn Jakob lässt seinen Gegner nach dem Hüftschlag nicht gehen, sondern drängt ihn dazu, ihn zu segnen. Der Gegner fragt zunächst nach Jakobs Namen und sagt dann: Jakob soll von nun an Israel heißen, denn er habe mit Gott und den Menschen gekämpft und gewonnen. Der namenlose Gegner segnet Jakob. Und noch bevor Jakob nach Hause hinkt, gibt er dem Kampfort einen Namen („Pnuel“) und begründet ihn damit: Ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet.

Gottgezeichnet, gerettet, gesegnet lebt Jakob weiter. Er hat zwölf Söhne, die die Stämme Israels begründen, er stirbt schließlich in Ägypten. Direkt nach seinem Kampf und dem Hüftschlag versöhnt er sich aber mit seinem Bruder Esau. Den hatte er vor Jahren betrogen: um den Segen ihres Vaters und alle Rechte, die damit verbunden sind. Jetzt ist der erschlichene Segen des Vaters ersetzt durch den Segen des namenlosen Gegners. Und Jakob, der Name bedeutet „der Hinterlistige“, heißt nun Israel, das bedeutet „Gotteskämpfer“. Gehinkt hat er wohl den Rest seines Lebens.

Michael Ballack wünschen wir gute Besserung. Natürlich hoffen wir, dass er beim Länderspiel im nächsten Monat dabei sein kann. Und falls er in den nächsten Wochen nach dem Fitnesstraining mal den Zeh und die Spezialbandage hochlegen muss, kann er die andere Geschichte ja nachlesen. Sie steht in der Bibel im ersten Buch Mose, Kapitel 32. Wäre doch eine interessante Variante für seinen nächsten Zweikampf.

Dorothee Arnold

Pastorin, Celle