Dem Horizont entgegen

Drunter und drüber liegen die großen Steine in mehreren Schichten aufgetürmt. Wie ein Pfad führen sie in das Meer hinaus; schwarzgraue Geröllkuller, die vom weißen Sandstrand bis zum Horizont führen.  

 

Vorsichtig balanciere ich über die Brocken. Die einen sind glitschig vom Meerwasser, die anderen unangenehm heiß, strahlen die Hitze der Sonne ab. Mal aufrecht, mal auf allen vieren, mal vorsichtig, mal etwas beherzter suche ich meinen Weg. Neben mir brechen sich die Wellen, spritzt das Wasser hoch.

 

Möglichst weit will ich hinaus, nur noch den Horizont vor mir. Am Ende möchte ich erleben, wie die rote Sonne im Meer versinkt, allein, ungestört, mit freier Sicht in die Ferne. Aber bis dahin liegt noch einiges an steiniger Strecke vor mir. Zuversichtlich gehe ich voran.

 

Viele Steine säumen meinen Weg, nicht nur als Erinnerung an eine schöne Küstentour in den USA. Immer wieder kullern sie ins Leben, tauchen plötzlich auf oder liegen schon länger da.

 

Was mache ich aus diesen Steinen, die mir Gott auf, unter oder in den Weg gelegt hat?

Wie komme ich um sie herum?

Was bedeuten sie?

 

Manche Steine passen in meinen Lebensweg hinein, ohne große Anpassungsschwierigkeiten, andere liegen eher ärgerlich störend herum.

 

Die einen ebnen meine Wegstrecke und sorgen dafür, dass ich doch flott und trockenen Fußes vorankomme. Die anderen bringen mich ins Straucheln, wenn ich zu schnell und unachtsam unterwegs bin; sie halten mich an, einmal kurz stehen zu bleiben und nachzudenken.

 

Es liegt an mir, wie ich diese Steine auf meinem Lebensweg deute, mit ihnen umgehe oder sie umgehe. Mut machend spricht mir der Psalmbeter zu:

„Gottes Engel werden dich auf Händen tragen, dass du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

Ermutigt und hoffnungsfroh fordern mich die Steine auf meinem Weg heraus und manchmal eben auch meine Kletterkünste.

 

Olaf Ripke

Pastor in Groß Hehlen

 

 

 

 
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