
Er ist am Ende des Jahres in jedermanns Munde – aber kaum jemand kennt ihn wirklich. Die Geschichtsbücher erwähnen ihn nur am Rande, obwohl er in einer der bedeutendsten Epochen der Kirchengeschichte gelebt hat. Sein Name ist das Einzige, was im öffentlichen Bewusstsein von ihm geblieben ist. Der letzte Tag des Jahres, der 31. Dezember, ist nach ihm benannt: Silvester.
Er lebte vor gut 1600 Jahren in Rom. Dass Silvester Kaiser Konstantin von Aussatz befreit und ihn getauft hat, ist wie so vieles, was ihm später angehängt wurde, nachträgliche Erfindung und Geschichtsfälschung. Nach Ansicht vieler Historiker war Silvester von einer anrührenden Bedeutungslosigkeit. Das erste große Konzil der Kirche in Nicäa, auf dem das noch heute gesprochene nicänische Glaubensbekenntnis im Jahre 325 verabschiedet wurde, soll Silvester schlichtweg geschwänzt haben.
Die einfachen Leute in Rom haben ihren Silvester aber von Herzen geliebt. Als erstes nach seiner Wahl zum Papst soll er eine Liste aller Armen, Witwen und Waisen in der Stadt angelegt haben. Er versah sie - so heißt - mit aller Notdurft des Leibes und Lebens. Wegen dieser Hinwendung zu den Armen und Schwachen haben die Leute ihn verehrt.
Als Anhänger der alten Religion in Rom einen Streit über den wahren Glauben anzettelten, soll er sie durch seine Zurückhaltung überzeugt haben. Er sagte nicht viel mehr als das: „Eure Götter haben die Macht zum Töten, meiner macht lebendig.“ Silvester machte nicht durch Skandale von sich Reden machte, sondern trat bescheiden auf. Das hat viele seiner Gegner überzeugt - und für christlichen Glauben geworben.
Mir scheint, als habe dieser Mann anderes im Sinn gehabt, als Macht auszuüben. Was das „Herrschen“ anbelangt, da war er eher ein kleines Licht als eine große Leuchte. Ihm lagen aber die Menschen am Herzen, die ihr Leben nicht allein meistern konnten und denen das Leben böse mitgespielt hatte. Zwanzig Jahre war Silvester Papst in Rom. Im Jahr 335 n. Chr. ist er gestorben – am 31. Dezember. Silvester – seine Name ist ein Programm: Es kommt nicht darauf an, große und Welt bewegende Taten zu vollbringen. Auch Kleines kann Großes bewirken. Das ist nicht die schlechteste Devise für das kommende Jahr.
Uwe Schmidt-Seffers, Pastor in Nienhagen