IIvo Batic und Franz Leitmayr, die beiden bayerischen Tatort-Kommissare, wollen Fälle von aktiver Sterbehilfe aufklären. Dazu müssen sie in einem Pflegeheim eine Krankenschwester vernehmen. Als sie eintreffen, sitzt die Frau gerade am Sterbebett eines alten Menschen, hält seine Hand und singt. Singt, damit er sich beruhigt und geborgen fühlt. Weil sie nun aber zum Verhör soll, muss einer der Kommissare das Singen übernehmen. Mit Mühe lässt sich einer der beiden überreden, setzt sich ans Bett, nimmt die Hand des Sterbenden und singt, jedenfalls soll es Singen sein, er gibt sich Mühe. Ein Kinderlied. Als die Schwester vom Verhör zurückkommt und ihn ablösen will, hat man den Eindruck, der überredete Sänger will eigentlich weitermachen. Das Singen hat nicht nur auf den Sterbenden, sondern auch auf ihn positiv gewirkt.
Singen beruhigt, es entspannt, es vermittelt das Gefühl von Geborgenheit.
Und Singen heilt auch. Es ist gesund und kann gesund machen. Neue Studien zeigen: zehn Minuten intensives Singen haben die gleiche positive Wirkung wie zehn Minuten Dauerlauf. Singen stärkt das Immunsystem und schüttet Glückshormone aus. Dabei ist es unerheblich, ob ich alleine singe oder im Chor.
Der kommende Sonntag heißt in der evangelischen Kirche „Kantate!“ – „Singet!“ Und in der Tat hat das Singen für die Protestanten einen hohen Stellenwert.
Am ersten Sonntag im Mai soll nun aber auch noch der „Weltlachtag“ begangen werden. Ein indischer Yoga-Lehrer hat ihn mit viel Erfolg ins Leben gerufen. Lachen ist ja auch gesund und tut gut, solange es nicht auf Kosten anderer geschieht. Ja, „ernsthaft“ betrieben, ist Lachen ähnlich gesund wie das Singen und willkommen in einer Welt voller Probleme. Und die an vielen Orten entstandenen „Lachclubs“ haben gar etwas Religiöses und wollen mit ihrem Lachen den Menschen und die Welt zum Guten verändern.
Vermutlich unbewusst knüpfen sie damit an eine christliche Tradition an: das Osterlachen.
Im Gottesdienst der Osternacht lacht die Gemeinde den Tod aus als Zeichen dafür, dass die Angst vor dem Ende nicht länger das Leben bestimmt.
Christen wissen also, warum sie Grund haben zu singen und zu lachen. Sie singen, weil sie trotz allem, was es an Schrecklichem in der Nähe und der Ferne zu vermelden gibt, Hoffnung haben und Vertrauen behalten. Sie vertrauen auf Gottes Hilfe und die Kraft der solidarischen und feiernden Gemeinschaft. Insofern passen der „Weltlachtag“ und der Sonntag „Kantate“ eigentlich ganz gut zusammen.
Otmar Schulz, Theologe und Journalist, Papenhorst
P.S. Mein Lieblingswitz (mein Beitrag zum Weltlachtag) ist übrigens dieser hier: Wann beginnt das Leben? Ein katholischer Priester, ein evangelischer Pastor, ein jüdischer Rabbi streiten darüber. „Ist doch klar“, sagt der Priester, „wenn Eizelle und Samenzelle...“ – „Nein, nein“, fällt ihm der Pastor ins Wort: „Wenn der Mensch seiner selbst bewusst wird, dann beginnt das Leben.“ „Ihr habt doch keine Ahnung!“ erwidert der Rabbi. „Das Leben beginnt, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Hund tot ist.“ Wie Recht er doch hat!