Das Tal muss nicht finster bleiben!

Bettina F. ist 42 Jahre und allein erziehende Mutter von zwei Kindern.  Seit der Scheidung vor drei Jahren hat sie jeden halbwegs akzeptablen Job angenommen. Stundenweise, versteht sich, wegen der Kinder.  Wählerisch konnte die ausgebildete Labor-Assistentin nicht sein. In ihrem erlernten Beruf konnte sie wegen der Entfernung zum Arbeitsplatz nicht arbeiten.

Sie braucht die Arbeit nicht nur, um ihre Kinder und sich zu versorgen, sie braucht sie auch für ihr Selbstwertgefühl. Sie schämt sich, "dem Staat auf der Tasche zu liegen", wie sie selber sagt.

Im Betrieb ist sie die Arbeitskraft, die nicht so flexibel einsetzbar ist wie andere. Bettina leidet immer mehr darunter, dass sie nicht als Mutter wahrgenommen wird, die versucht, für ihre Kinder und für ihre Arbeit da zu sein.

Vielen geht es wie Bettina. Sie erleben tagtäglich, dass der wirtschaftliche Nutzen ungleich höher geschätzt wird als Solidarität und menschliche Wärme. Das macht Menschen kaputt. Sie fühlen sich innerlich ausgebrannt und leer. Übrigens nicht nur diejenigen, die durch das Raster eines rigiden Arbeitsmarktes fallen wie Bettina. Viele, die gut verdienen und mehr als genug zum Leben haben, sind zutiefst unglücklich.

Bettina und viele andere wissen, was es heißt im finstern Tal zu wandern, von dem der Beter des 23. Psalms spricht.

"Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück." Es ist ungewöhnlich, wenn jemand so ungeschönt bekennt: "Mein Leben ist an einem Tiefpunkt angelangt. Ich sehe keinen Ausweg. Um mich herum ist völlige Dunkelheit."

Da wird nicht nur über Lebenskrisen gesprochen, da erzählt jemand von sich und seiner Seelennot. Der Einblick in die eigenen Abgründe macht angreifbar und verletzbar.  Auch schämen sich viele, wenn es ihnen schlecht geht.  Also geben sie sich lieber stark und fröhlich. Das kommt besser an. Den Schein wahren, nur nicht das Gesicht verlieren! Das wahre Gesicht ist hinter einer "Es-geht-mir-gut" - Maske versteckt.

Im selben Atemzug, mit dem der Beter des 23. Psalms sein Schicksal beklagt, lobt er seine Rettung: "Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du, Gott, bist bei mir."

Er glaubt fest daran, dass Gott mit ihm durch das finstere Tal geht und dass er ihn herausführen wird.  Er bleibt nicht in der Ausweglosigkeit stecken.

Beneidenswert, Gott so an seiner Seite zu wissen! Beneidenswert diese Gewissheit! Sie kommt nicht von selber. Sie entsteht zum Beispiel da, wo Menschen bereit sind, sich zum Beispiel für eine menschenfreundlichere Wirtschaft einzusetzen. Wer die seelischen Bedürfnisse ernst nimmt, die eigenen und die anderer, dem wird Gott den Tisch bereiten, ihn stärken und ihm voll einschenken, so die Zusage des 23. Psalms.

 

Schulpastorin Elke Drewes-Schulz,

Nienhagen-Papenhorst