Von un dmit Konfirmanden lernen

Bald sind bei uns Konfirmationen. Vorher wird geschuftet: Papa hilft mit bei der Anzugsuche, Mama grübelt, welcher Kuchen noch zu backen ist, Opa leimt die Tischbeine neu, damit sie die Geschenke tragen. Die Konfirmanden in unserer Gemeinde haben anderes zu tun. Sie lernen das Glaubensbekenntnis und einige andere Texte auswendig.  

In den letzten Tagen habe ich immer wieder gehört, wie sie aufsagen: „...gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.“ Manchmal ging es auch durcheinander: „gekreuzigt, begraben, gelitten, äh gestorben und gelitten.“  

Viele Worte, die ähnlich klingen, da kann man schon mal durcheinander kommen. Ich helfe dann und sage: „Überleg doch einmal, in welcher Reihenfolge die Worte Sinn machen.“ Manchmal hilft der Hinweis und dann werden die alten Worte nicht nur heruntergeleiert sondern bedeutungsvoll: 
...gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben. - 
Jesus hat gelitten als die Römer das Land besetzt hielten,
dann wurde er gekreuzigt, ein langsames Leiden auf den Tod hin,
schließlich starb er. Der tote Körper wurde in eine Grabkammer gelegt. 

Eins nach dem andern. Es ist gut, das nicht zu vergessen. Deshalb lernen Konfirmanden das Glaubensbekenntnis auswendig. Und wer konfirmiert ist, kann auch später noch darüber nachdenken. Was bedeuten diese Worte, die man auch leichthin runterrattern  kann: gelitten, gekreuzigt, gestorben und begraben?  

Jesus hat gelitten. Darin zeigt sich: Gott leidet mit den Leidenden. Er ist bei uns im Krankenhaus. Jesus starb sogar für uns. Das heißt: Gott stirbt für die Sterblichen. Er ist bei uns auf dem Friedhof. Er ist kein Schönwettergott. Nach Leid und Tod wurde Jesus in ein Grab gelegt. 

In diesen Tagen vor Ostern buchstabieren wir es in unseren Gottesdiensten durch, wie die Konfirmanden: „gelitten, gekreuzigt, gestorben und begraben.“ Dieser Gedanke ist jetzt dran: Jesus ist bei uns im Leid und im Tod. Unser Glaube drängt das nicht an die Seite. Es gehört zum Leben dazu und auch zum Glauben. 

Trotzdem warte ich sehnsüchtig auf den Ostergottesdienst, wenn wir wieder singen: „Christ ist erstanden!“ Denn unser Glaubensbekenntnis geht weiter. Konfirmanden wäre es  vielleicht lieber, wenn sie nicht soviel auswendig lernen müssten. Aber ich bin dankbar, dass nach dem Leiden Jesu noch sehr viel zu erzählen ist von neuem Leben, von der Auferstehung und der Gemeinschaft der Glaubenden.

Pastor Volkmar Latossek
Stadtkirche Celle