Helden

Schon merkwürdig: Gerade mal gut zwei Wochen ist das verheerende Erdbeben in Japan her. Wie viel Schäden angerichtet wurden, lässt sich noch lange nicht sagen. Manche Vermissten werden vermutlich nie wieder gefunden. Aber die Nachrichten über den Tsunami und seine Folgen, die Sondersendungen zum drohenden Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima sind fast schon wieder Geschichte.

Dass die sechs Reaktoren so vergleichsweise schnell wieder aus den großen Schlagzeilen gerieten, ist vor allem den Männern zu verdanken, die unter Einsatz ihrer Gesundheit, ja, unter Einsatz ihres Lebens in und an den zerstörten Meilern weiter gearbeitet haben. Die Zahlen schwanken, wie viele es nun waren. Klar ist, dass sie immer nur relativ kurze Zeit arbeiten konnten. Dann mussten wegen der hohen Strahlenbelastung andere ihre Stelle einnehmen. Genauso klar ist aber auch, dass sie ihr Leben riskiert haben, um viel mehr Menschenleben zu retten.

Durch ihren Einsatz ist mir ein Jesus-Wort auf einmal ganz nahe gekommen, über das ich sonst gerne hinweg gelesen habe. Oder dass ich nicht ganz ernst genommen habe, weil es mir so unwirklich erschien:„Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“

Nach der Überlieferung des Johannes hält Jesus seinen Jüngern und Freunden kurz vor seiner Gefangennahme und Tod eine Reihe von Reden, die sogenannten Abschiedsreden. Darin will er sie vorbereiten auf das, was kommt: Gefangennahme, Verurteilung, Kreuzigung und Tod. Er will sie aber auch trösten und ermutigen. Dazu versucht er ihnen zu erklären, warum es so kommen wird, wie es kommt. Warum es den höchsten Einsatz braucht – sein Leben.

Die Arbeiter und Ingenieure in Fukushima sind vermutlich zum allergrößten Teil keine Christen. Und dennoch haben sie mir durch ihren mutigen Einsatz dieses schwer zu verstehende, geheimnisvolle Jesus-Wort  in seiner Bedeutung aufgeschlossen. „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“  Ja, das gibt es, dass Menschen so handeln. Hoffentlich sind die Situationen selten, in denen solcher Mut und solche Liebe gefordert sind. Aber wenn sie da ist, dann gebe Gott den Mut und die Kraft das zu tun, was Leben rettet. Und das Vertrauen in ein anderes Jesus-Wort, das auch angesichts des Todes gilt: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“

Axel Stahlmann

Pastor an St.Lamberti-Bergen