Altjahresabend – letzte Möglichkeit zurückzuschauen: mit einer Überschrift wie in einer großen Illustrierten: die großen Aufreger Naziterror, Griechenland und Plagiate. Aber auch: die großen Toten wie Steve Jobs, Loriot alias Victor von Bühlow und Johannes Hesters; die großen Umwälzungen wie Fukushima, die Arabellion und Stuttgart 21 und Berühmtheiten wie Ai Weiwei, Kate Middleton und Karl Theodor zu Guttenberg.
Schon halte ich inne. Diese paar Ereignisse und Namen sind doch nur die Spitze eines Eisbergs. Noch habe ich kein Wort über die Eurokrise verloren, keines über Ehec oder die Kuh Yvonne. Und muss ich nicht auch den Tod Osama bin Ladens erwähnen, den Bundespräsidenten, die FDP und das russische Erdgas?
Altjahresabend – letzte Gelegenheit, auf meine persönliches 2011 zurückzuschauen: Was habe ich erlebt? Wie ist es mir ergangen? Wohin bin ich geraten? Da melden sich gesundheitliche Probleme. Werden die Ärzte sie lösen können? Ich mache mir Sorgen um das Ersparte. Angeblich soll es jedoch sichere Anlagen geben. Wie geht es mit den Kindern weiter? Sie werden ihre Konflikte lösen müssen. Nein, kein leichtes 2011!
Ach, es war aber doch auch viel Schönes dabei: Die Urlaubsreise nach Kreta, ein langersehnter Wunsch nun endlich erfüllt – unvergesslich war sie! Das neue Auto – unser ganzer Stolz! Die Begegnung mit alten Freunden! Was wäre das Leben ohne solche Beziehungen? Aber auch die kleinen Freuden: über das neue Rosenbeet, den Besuch der Eltern, die neuen Stiefel. Doch, ein schönes 2011!
Über diesen letzten Tag des Jahres hat die Kirche ein Psalmwort gestellt: „Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.“ – Ob ich es mit meinem Leben nachbuchstabieren kann? Trotz Finanzkrise fast Vollbeschäftigung, trotz Krankheit – Gott sei Dank: Ich lebe noch! Trotz Trennung ein Lichtstreif am Horizont. Kann ich glauben, dass er im vergehenden Jahr gütig gewesen ist? Dann kann ich auch hoffen, dass seine Güte mich im neuen Jahr begleitet.