Der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Celle, nördlich von Hannover am Südrand der Lüneburger Heide gelegen, umfasst 30 Kirchengemeinden mit rund 84.000 Mitgliedern. Der Celler Kirchenkreis ist damit – nach Kirchenmitgliederzahlen – der größte Kirchenkreis der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers.  

Der Kirchenkreis wird geleitet von Superintendent Dr. Hans-Georg Sundermann, der in diesem Amt seit 2005 tätig ist. Der Kirchenkreistag mit ca. 80 Mitgliedern aus den Kirchengemeinden ist das gewählte Parlament des Kirchenkreises und kommt i. d. R. zweimal im Jahr zusammen. Auf der Basis von Ausschussarbeit wird in diesem Gremium über grundlegende Entscheidungen (z. B. Haushalts- und Stellenplan) entschieden. Der Kirchenkreisvorstand mit seinen zehn durch den Kirchenkreistag gewählten Mitgliedern sorgt bei seinen monatlichen Sitzungen dafür, dass die laufenden Geschäfte des Kirchenkreises zeitnah abgewickelt werden können. 

Die Gemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises Celle beschäftigen insgesamt rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dazu ca. 3.750 Ehrenamtliche. Haupt- und Ehrenamtliche unseres Kirchenkreises sind vor allem in folgenden Bereichen tätig: Verkündigung und Seelsorge, Diakonie, Bildung, Verwaltung, Kultur und Kirchenmusik, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Arbeit mit Erwachsenen und Senioren.   

Zahlreiche diakonische Einrichtungen wurden im Jahr 2010 im Haus der Diakonie in Celle unter einem Dach zusammengefasst. Die im Vorfeld erhofften positiven Synergieeffekte dieser unmittelbaren Zusammenarbeit von Evangelischer Lebensberatung, Diakonischem Werk, Arbeitslosenhilfe und Psychosozialer Beratung wurden sogar übertroffen. Der sozial-diakonische Aspekt von Kirche ist dem Kirchenkreis wichtig. Auf vielen Ebenen wie im Methadonprogramm des Kirchenkreises oder in der Psychosozialen Beratung und den Kindertagesstätten ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den politischen Kommunen gute Tradition.

In direkter Nachbarschaft mit dem Haus der Diakonie befindet sich die Evangelische Familien-Bildungsstätte (FABI). Dort gibt es neben den traditionellen Angeboten für junge Familien zunehmend selbst entwickelte Langzeit-Fortbildungsangebote wie DELFI und DELFIplus, die sich an Erzieher und Erzieherinnen im ganzen Bundesgebiet wenden. In der FABI ist das vom Land Niedersachsen initiierte wellcome-Projekt beheimatet; hier werden auch Erziehungslotsen und Seniorenbegleiter ausgebildet.

Der Kirchenkreis verfügt seit 2010 über ein modernes Verwaltungszentrum auf dem Gelände des ehemaligen Predigerseminars in der Berlinstraße. Von hier aus werden auch die Kirchenkreise Walsrode und Soltau verwaltet. Effizienz und kompetente Beratung der Kirchengemeinden und Einrichtungen gehören zum Leitbild des Kirchenamtes. 

Der Ev.-luth Kirchenkreis Celle engagiert sich mit dem Veranstaltungsformat „Kirche trifft“ dafür, kirchliche Themen in die öffentliche Diskussion einzubringen und den Dialog mit gesellschaftlichen Gruppen zu fördern. So gibt es Theatergespräche in Zusammenarbeit mit dem Celler Schlosstheater, Andachten im Kunstmuseum, Gottesdienste, in denen Bürgerinnen und Bürger der Region zu Kanzelreden in die Stadtkirche eingeladen werden oder Vortragsveranstaltungen wie z. B. zum Geflügelschlachthof in Wietze.  

In Zusammenarbeit mit anderen christlichen Kirchen engagiert sich der Kirchenkreis im interreligiösen Dialog – ob es Abende der Religionen sind oder musikalische Begegnungen unter der Überschrift „Harmonien der Kulturen“. Regelmäßig werden auch Veranstaltungen mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Celle e. V. durchgeführt. Im September 2012 findet die vierte ökumenische Lange Nacht der Kirchen in Celle statt – federführend sind der Kirchenkreis und die Citykirchenarbeit der Stadtkirche St. Marien. 

Auf der Ebene des Kirchenkreises sollen die Aufgaben wahrgenommen werden, die eine Kirchengemeinde alleine nicht schaffen kann, so zum Beispiel auch die Gefängnisseelsorge oder die Arbeit der Bahnhofsmission. Zuvorderst geht es dem Kirchenkreis aber darum, die kirchliche Arbeit in den Stadt- und Landgemeinden zu fördern. So hat der Kirchenkreistag, schon vor Jahren beschlossen, Eigeninitiativen der Gemeinden wie die Finanzierung von Diakonen- oder Kirchenmusikerstellen zu bonifizieren und Kirchenstiftungen bestmögliche Zinskonditionen zu gewähren.  

Zurzeit beginnen auch im Kirchenkreis Celle die Planungen für das Reformationsjubiläum 2017. Celle bildet insofern einen bedeutsamen Ort für die Einführung des evangelischen Glaubens in Niedersachsen, als Ernst I., Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, ein früher Anhänger Martin Luthers war und sich 1525 öffentlich zur Lehre Luthers bekannte. 1526 trat Ernst der Bekenner – so sein späterer Ehrenname – dem Torgauer Bund bei, begegnete dort Luther persönlich und beriet sich mit ihm über Fragen des Glaubens und der Neuordnung des Kirchenwesens. Unter seinem Nachfolger Herzog Wilhelm d. Jüngeren wurde Mitte des 16. Jahrhunderts die Celler Hofkapelle neu ausgestattet. Sie gilt heute als einziger fast vollständig erhaltener Kirchenraum Deutschlands aus frühprotestantischer Zeit, kann aber auf Grund einer falschen Sanierung weder als Kirchenraum genutzt noch besichtigt werden. 

Aus der Zeit der Reformation stammt das Motto ecclesia semper est reformanda: Ohne sich dem jeweiligen Zeitgeist zu verschreiben, muss unsere Kirche neue und der Zeit angemessene Mittel finden, um den Menschen das Evangelium weiterzusagen. Was Luther über das Leben schreibt, gilt modifiziert sicher auch für die Evangelische Kirche in und um Celle: „Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind´s noch nicht, wir werden´s aber. Es ist noch nicht getan und geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist noch nicht das Ende, aber es ist der Weg.“