Fr., 07.09.2018

Ein naturverbundener und freundlicher Hirte ist gegangen

Kategorie: Allgemeine News

Am Freitag, dem 7. September ist unter großer Anteilnahme Pastor i.R. Otfrid Liman in Bröckel beigesetzt worden. Der Seelsorger, der 26 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand vor acht Jahren als Hirte (so wird das lateinische Wort „Pastor“ übersetzt) der evangelischen Kirchengemeinde Bröckel mit Wiedenrode vorstand, war ein Glücksfall für das Dorf. Und das Dorf war ein Glücksfall für Otfrid Liman!

Otfrid Liman hat es geliebt, Dorfpastor und den Menschen ganz nah zu sein. Es gibt kaum ein Haus, das der Bröckeler Pastor nicht von innen gesehen hätte; immerhin zählen sich auch heute 77% der Einwohner zur Evangelischen Kirche. Aber auch die Bröckeler haben ihren Hirten schnell ins Herz geschlossen; schwer hat er es ihnen mit seiner immer freundlichen Art allerdings auch nicht gemacht. Ich erinnere mich nicht, Otfried Liman einmal nicht ausgeglichen und ausgleichend erlebt zu haben. Er war die Konstanz in Person, verlässlich und treu wie wenige andere. Otfrid Liman konnte in jedem Menschen das Gute sehen. Anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand sagte er: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jeder Mensch eine Begabung hat. Unsere Aufgabe ist es, diese herauszukitzeln“.

Otfrid Liman war bodenständig! In den letzten Kriegstagen 1945 geboren, verbrachte er seine Kindheit und Jugend in Beedenbostel, wo sein Vater als Landarzt tätig war. Abitur am Ernestinum, Theologiestudium in Bethel, Heidelberg und Göttingen, Vikariat in Westercelle – und dann 12 Jahre als Pastor im ostfriesischen Wiesens bei Aurich. 1984 ist er mit seiner Frau Evelyne und den drei Kindern nach Bröckel gekommen. Und hier ist er geblieben! Er war leidenschaftlicher Imker, spielte Posaune, ging zur Jagd und engagierte sich viele Jahre im Lions-Club. Den Kontakt zu den Vereinen schätzte er und konnte sich am Ende nicht vorstellen, an einem anderen Ort als Bröckel seinen Ruhestand zu verbringen.

Im Celler Kirchenkreis hat Otfrid Liman lange Jahre als stellvertretener Superintendent und Mitglied im Kirchenkreisvorstand gewirkt, hat Kirchengemeinden visitiert und immer wieder angehende Pastoren in der praktischen Gemeindearbeit „angelernt“. Die Kirchenleitung in Hannover hätte ihn gerne an einem anderen Ort als Superintendent gesehen, aber er wollte lieber in Bröckel bleiben, der naturverbundene und freundliche Hirte. Am 29. August ist sein Herz im 74. Lebensjahr während eines Spazierganges mit seiner Frau stehengeblieben.

Uwe Schmidt-Seffers, Pressesprecher des Ev.-luth. Kirchenkreises Clle