Mi., 27.01.2021

Gedanken zum Holocaust-Gedenktag

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Der 27. Januar. Seit nunmehr 26 Jahren der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Gedenken heißt, sich zu erinnern. Sechs Millionen Menschen wurden von den Nazis ermordet. Die Zahl ist abstrakt. Das Ausmaß des durch Menschen angeordneten und vollzogenen Leids unvorstellbar.

Der Opfer gedenken heißt, sich vor Augen zu führen, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht. Mit seiner einzigartigen Lebensgeschichte. Den mit ihm In-Liebe-Verbundenen. Wünschen an die Zukunft. Hoffnungen. Träumen.

Damit die Zahl nicht abstrakt bleibt, hilft es, sich in die Geschichten einzelner zu vertiefen. Mich persönlich hat ein Vortag von Viktor Emil Frankl beeindruckt. Der Titel: Vom Sinn und Wert des Lebens. Frankl, der als Arzt und Psychotherapeut arbeitete, hielt ihn 1946. Nachdem er die Internierung in vier verschiedenen Konzentrationslagern überlebt hatte. Frankls Eltern und sein Bruder starben im KZ. Seine Frau Tilly nicht weit von hier im KZ Bergen-Belsen. Frankl selbst kümmerte sich um die psychologische Betreuung der mit ihm Internierten.

Beeindruckend ist sein ungebrochener Glaube an die Sinnhaftigkeit des Lebens – all der erlebten Schrecken zum Trotz. Frankl schreibt in seinem Vortrag: „Denn wohl haben uns die vergangenen Jahre ernüchtert; aber sie haben uns auch gezeigt, dass das Menschliche gilt, sie haben uns gelehrt, dass alles auf den Menschen ankommt.“

Das ist eine der Lehren aus der Vergangenheit: Es kommt auf den Menschen an. Auf jede Einzelne und jeden Einzelnen von uns. Auf die bewusste Übernahme von Verantwortung. Für den Nächsten. Die eigene politische Haltung und für das, was in unserer Gesellschaft geschieht. Wie es Frankl formuliert: „Leben selbst heißt gefragt werden, heißt antworten – je sein eigenes Dasein verantworten.“ Und so sollten wir an einem besonderen Tag wie diesem innehalten und all jenen gedenken, die dem Nazi-Terror zum Opfer fielen, die Angehörige zu betrauern hatten und all jenen, die bis heute unter diesen unfassbaren Verbrechen zu leiden haben.

Superintendentin Andrea Burgk-Lempart