Fr., 06.01.2017

Hans-Ulrich Schrafnagel wird am Sonntag, den 8. Januar in der Blumlage offiziell in seinen Dienst als Prädikant eingeführt

Kategorie: Allgemeine News

Ehrenamtliche Predigerinnen und Prediger gewinnen in Zukunft an Bedeutung in der evangelischen Kirche.  

Am Sonntag, den 8. Januar wird Hans-Ulrich Schrafnagel im Gottesdienst um 10 Uhr in der Blumlage offiziell durch den geschäftsführenden Superintendenten Uwe Schmidt-Seffers in seinen Dienst eingeführt. Schrafnagel, der am KAV Gymnasium, an der OS Klein-Hehlen und am HBG als Lehrer und stellv. Schulleiter tätig war, hat an einem zweijährigen Prädikantenkurs der Hannoverschen Landeskirche teilgenommen und nach einem intensiven „Kurz-Studium“ die Berechtigung erhalten, künftig selbständig Gottesdienste zu feiern und mit der Gemeinde das Abendmahl zu feiern.  

Über seinen Studiengang schreibt Schrafnagel im Gemeindebrief der Blumläger Kirche unter der Überschrift: Was ist eigentlich ein Prädikant?  

„Viele von ihnen haben mich in den vergangenen Jahren sicherlich schon im Gottesdienst oder auch auf der Kanzel unserer Blumläger Kirche oder auch in anderen Gemeinden erlebt. In letzter Zeit sind sowohl meine Frau als auch ich schon des Öfteren angesprochen worden, ob ich diese Tätigkeit denn nicht mehr ausübe. Antwort: Nein, ganz im Gegenteil! Ich habe seit Sommer 2014 an einem sogenannten Prädikantenkurs unserer Landeskirche teilgenommen. Mit zunehmender Tendenz kann man auch samstags in den kirchlichen Mitteilungen der Zeitungen lesen, dass Prädikantinnen oder Prädikanten den sonntäglichen Hauptgottesdienst in einer Kirchengemeinde halten. Vielleicht haben sie sich dabei schon mal gefragt, welche Aufgaben denn solche Prädikanten haben.

Die Frage ist ganz einfach zu beantworten:

Ein Prädikant ist ein ehrenamtlicher Prediger! Er ist aber kein Pfarrer! Doch was steckt dahinter? Es halten doch auch Lektoren Gottesdienste. Was ist denn nun ein Prädikant?

Ein Lektor hält im Regelfall Gottesdienste ausschließlich in der eigenen Gemeinde. Er hat dazu eine Lektorenausbildung hinter sich, die in unserer Hannoverschen Landeskirche entweder an vier Wochenenden oder aber zweimal über fünf Tage im Michaeliskloster in Hildesheim stattfindet. Hier werden Grundkenntnisse vermittelt, wie z.B. über den Aufbau und die Struktur von Gottesdiensten, dabei insbesondere die Aneignung von Lesepredigten. Die Bezeichnung „Lektor“ ist allerdings in diesem Zusammenhang ein wenig irreführend, denn die Lesepredigten werden normalerweise nicht Wort für Wort übernommen, sondern sie sollten so umgestaltet werden, dass ein Lektor sich auch selbst in der Predigt wiederfindet.

Die Lektorenausbildung ist die erste Voraussetzung für die Teilnahme an einem Prädikantenkurs. Nach einer gewissen „Bewährungszeit“, die durchaus auch mit der Anzahl der gehaltenen Gottesdienste zusammenhängt, kann man sich um einen Ausbildungsplatz zum Prädikanten bewerben.

Wenn die Teilnahmemöglichkeit nach einem Vorstellungsgespräch bestätigt wurde, dann erwarten einen zwölf Wochenendkurse, die sich an verschiedenen Standorten etwa über zwei Jahre hinziehen. Meine Kurswochenenden fanden in Springe, Bad Bederkesa, Hannover und Hildesheim statt. Man absolviert dabei eine Art theologisches „Kurz-Studium“. Neben der Bibellese werden ganz unterschiedliche theologische Fragestellungen bearbeitet, so u.a. von der Gottesfrage bis hin zu Jesu Auferstehung, Fragen zur Ethik, zur Trinität, und natürlich das Abendmahl mit liturgischen Gesangsübungen. Von einem bis zum nächsten Wochenendkurs sind auch Hausaufgaben anzufertigen, insbesondere ist stets eine neue eigene Predigt dabei, die dann auch vorgetragen und bewertet wird. Sehr angenehm ist übrigens, dass ein sehr großer Teil der anfallenden Kosten sowohl von der Landeskirche, als auch von den jeweiligen Kirchenkreisen übernommen wird.

Ende Juni 2016 hatte ich jetzt diese zwölf Wochenendkurse hinter mich gebracht. Ich muss für mich bekennen, dass diese Zeit mit „meinem“ Prädikantenkurs mich manchmal sogar an meine eigene Studentenzeit erinnert hat. Die Arbeit hat einfach ganz viel Spaß gemacht. Wir waren ein wirklich gut zusammengewürfelter Kreis aus ganz unterschiedlichen Berufsgruppen:

Da gab es die Hausfrau, die Lehrerin, den Physiker, die Tierärztin, die Apothekerin, den Handwerksmeister und auch den Hochschullehrer. Für mich war das jedenfalls eine sehr interessante und lehrreiche Zeit, in der ich ganz viele ausgesprochen nette Menschen habe kennenlernen dürfen.

Mittlerweile hat für mich jetzt bereits das sich anschließende „Mentorat“ begonnen, in dem ich mindestens zwei Gottesdienste in Begleitung eines Pastors abzuhalten habe, was aber nicht in der eigenen Gemeinde sein darf. Danach muss ich als angehender Prädikant dann noch einen dritten Gottesdienst halten, der von einem Pfarrer aus unserem Kirchenkreis besucht und „begutachtet“ werden wird. Und den Abschluss der gesamten Prädikantenausbildung bildet ein Gespräch oder Kolloquium mit dem Landessuperintendenten in Lüneburg. Erst danach wird der Prädikant in einem festlichen Gottesdienst in sein Prädikantenamt eingeführt.

Von diesem Augenblick an ist er ganz offiziell berechtigt, selbstständig Predigten zu verfassen und Abendmahlsgottesdienste zu halten. Diese Beauftragung für den Prädikantendienst erfolgt dann auch nicht für eine einzelne Kirchengemeinde, sondern für den Kirchenkreis.

Wenn ich ihr Interesse an dieser Ausbildung möglicherweise geweckt haben sollte, dann sprechen sie mich ruhig einmal bei passender Gelegenheit an, schreiben mir eine Mail unter Schrafnagel(at)t-online.de oder besuchen sie den Internetauftritt des Lektoren- und Prädikantendienstes unserer Landeskirche unter www.lektoren-praedikanten.de. Ich jedenfalls freue mich auf meine künftige Tätigkeit als Prädikant!"