Di., 02.02.2021

Kirchenkreis-Serie: Was mich bewegt – heute: Daniela Brückner von der Bahnhofsmission Celle

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Neues Jahr, neue Herausforderungen, neue Themen, die den Kirchenkreis bewegen. In einer Serie berichten Mitglieder aus dem Kirchenkreis, welche Dinge sie aktuell beschäftigen, was ihnen gerade auf der Seele brennt oder welche Erlebnisse ihnen zuletzt Mut und Hoffnung gegeben haben. Teil 3 mit Daniela Brückner von der Bahnhofsmission Celle.

Angst vor der Einsamkeit

Für die Bahnhofsmission war das Jahr 2020 ein einziges Auf und Ab. Erst die Schließung im Frühjahrs-Lockdown, dann die Wiedereröffnung im Juni mit einem strengen Hygienekonzept. Nur langsam konnten die Öffnungszeiten wieder gesteigert werden, ehe wir im August voll durchstarten durften. Und kaum hatten wir uns an diese relative „Normalität“ gewöhnt (was in diesem Fall bedeutete: maximal vier Gäste gleichzeitig an zwei Tischen getrennt durch Plexiglasscheiben, Meldezettel und Maskenpflicht) schlug der zweite Lockdown mit voller Wucht ein. Bislang hält unser Hygienekonzept den strengen Auflagen stand. Aber für wie lange noch? Ich persönlich habe große Angst davor, wieder komplett schließen zu müssen.

Die Bahnhofsmission Celle wird nicht nur von Obdachlosen aufgesucht. Viele unserer Gäste sind einsam, leben in ärmlichen Verhältnissen und suchen hier in unseren Räumlichkeiten den sozialen Kontakt, der ihnen durch ihre Lebensumstände so sehr fehlt. Bei vielen haben sich die Familienmitglieder abgewandt und neue Freunde zu finden fällt ihnen sehr schwer. In der Bahnhofsmission trifft man auf Gleichgesinnte, hier kann man sich austauschen, ein wenig klönen. Was mir in diesem besonderen Jahr 2020 aufgefallen ist: Es sind nicht unbedingt der Kaffee oder das Brot, die den Menschen fehlen. Sondern das miteinander Reden. Viele unserer Gäste leiden sehr unter dieser neuen Einsamkeit. Wo sollen sie hin, wenn wir wieder schließen müssen?

Aber ich sehe auch positive Entwicklungen. Viele Menschen aus Celle und dem Landkreis denken an uns und versorgen uns mit Sach- und Geldspenden. Brot, Obst, Kaffee, aber auch Kleidung und Schlafsäcke erreichen uns so oft, dass ich viele Spenden schon absagen musste, da wir keinen Platz mehr hatten, um die Sachen zu lagern. Viele Menschen sind besorgt um unsere Klienten und fragen, wie sie helfen können. So etwas habe ich in 21 Jahren Bahnhofsmission nicht erlebt. Und das macht mir Hoffnung für die Zukunft.