Fr., 19.02.2021

Kirchenkreis-Serie: Was mich bewegt – heute: Krankenhausseelsorger Achim Rodekohr

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Achim Rodekohr

Neues Jahr, neue Herausforderungen, neue Themen, die den Kirchenkreis bewegen. In einer Serie berichten Mitglieder aus dem Kirchenkreis, welche Dinge sie aktuell beschäftigen, was ihnen gerade auf der Seele brennt oder welche Erlebnisse ihnen zuletzt Mut und Hoffnung gegeben haben. Teil 8 mit Achim Rodekohr, Seelsorger im Allgemeinen Krankenhaus Celle.

Dankbar sein – und Menschenleben retten

Dankbar sehe ich auf das Jahr 2020 und all das, was trotz der Einschränkungen möglich war. Auch sehe ich mit Freuden, wie Mediziner im Eiltempo an Therapien und Impfstoffen gearbeitet haben und noch arbeiten. Dankbar bin ich auch für den Reichtum, den wir besonders hier in Deutschland haben. Gerade im Vergleich zu vielen anderen Ländern. Einige Kontakte, die ich ins Ausland (besonders nach Botswana und Südafrika) pflege, verdeutlichen, wie sehr Corona die Menschen in anderen Ländern in Not bringt. Dort gibt es kein Kurzarbeitergeld, kaum Rente und so gut wie keine staatlichen Hilfen für Arme. Diese müssen häufig von der Hand in den Mund leben und haben keine Ersparnisse, von denen sie in dieser Zeit zehren könnten. Jeder muss dort Tag für Tag ums nackte Überleben kämpfen. Aus diesem Grund sind die verschiedenen Hilfsprojekte besonders zu begrüßen und zu fördern.

Auch deshalb kann ich häufig nur den Kopf schütteln, worüber sich so viele in unserer Gesellschaft aufregen, wie undankbar sie sind, wie Politiker und Virologen angegriffen werden – nur weil sie Menschenleben schützen wollen. Dann wundere ich mich darüber, wie viele Menschen hier im reichen und eigentlich gebildeten Deutschland auf Verschwörungsmythen und Fake News reinfallen. Wie leicht doch selbst akademisch gebildete Menschen zu verführen sind und sogar behaupten, das Corona-Virus existiere gar nicht. Das ist für mich erschreckend. Ich glaube an Gott, den niemand wissenschaftlich nachweisen kann. Viren dagegen sind mit wissenschaftlichen Methoden zu entdecken und glücklicherweise auch zu bekämpfen. Statt den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu fördern und dazu beizutragen, dass alle füreinander einstehen und gemeinsam durch einfache AHA-Regeln Menschenleben schützen, schüren einige den Zwist und das Querdenken. Das macht mich richtig wütend!

Ich wünsche mir mehr konstruktive sachliche Aufklärung, effektivere Hilfsprogramme und – besonders als Christ – mehr Vertrauen und Nächstenliebe. Die Kranken und Armen brauchen dringend mehr Rücksicht – und zwar von allen, auch den Querdenkenden.