Mi., 10.02.2021

Kirchenkreis-Serie: Was mich bewegt – heute: Maike Fritze von der Diakonie Südheide

Kategorie: Texte Startseite, Allgemeine News

Maike Fritze

In einer Serie berichten Mitglieder aus dem Kirchenkreis, welche Dinge sie aktuell beschäftigen, was ihnen gerade auf der Seele brennt oder welche Erlebnisse ihnen zuletzt Mut und Hoffnung gegeben haben. Teil 5 mit Maike Fritze, Geschäftsführerin der Diakonie Südheide gGmbh.

Die Krise als Weckruf sehen

Die vergangenen Monate haben mir vor allem gezeigt, dass wir unsere Arbeitskultur auf den Prüfstand stellen sollten. Während überall im Land über Homeoffice, Systemrelevanz oder die Notwendigkeit von Großraumbüros debattiert wird, frage ich mich, ob es nicht an der Zeit ist, die Arbeit an den Menschen anzupassen und nicht den Menschen an die Arbeit. Die Krise wirkt dabei für mich wie ein Katalysator. Plötzlich merken wir, wie wichtig es ist, einen Arbeitsplatz zu haben, an dem wir uns wohl fühlen, sicher fühlen, und welche Bedeutung es hat, wenn der Arbeitgeber sieht, dass wir nicht nur Ressource sind, sondern Menschen mit Sorgen, Nöten und Problemen. Weiß nicht jeder, dass ein zufriedener Mensch gleichzeitig ein zufriedener Mitarbeiter ist? Die Diskussionen um die unterbezahlten, aber wahnsinnig wichtigen Pflegekräfte haben gezeigt, wie viel Mangel diesbezüglich in Deutschland noch herrscht – auch in Celle, obwohl es hier viele Arbeitgeber gibt, denen das Wohl ihrer Mitarbeiter*innen sehr am Herzen liegt. Ändern wir unseren Blickwinkel weg von der „Ressource Mensch“ hin zur Person als Ganzes. Das würde auch die Chancen unserer Mitmenschen, die bislang für ihre vermeintlichen Handicaps stigmatisiert und diskriminiert werden, erhöhen. Bei uns in der Diakonie Südheide betreuen wir Menschen mit psychischen Erkrankungen, denen es in unserer bestehenden Arbeitskultur sehr schwer gemacht wird. Unabhängig davon, wie gut sie ausgebildet sind und welch tolle Arbeit sie leisten können. Eine Gesellschaft, die die Krise als Chance sieht, sollte auch in der Lage sein, diese Vorurteile abzubauen und Arbeitsplätze zu schaffen, an denen sich jeder relevant fühlt.