Fr., 29.01.2021

Kirchenkreis-Serie: Was mich bewegt – heute: Wolfram Möller vom Evangelischen Beratungszentrum

Kategorie: Texte Startseite, Allgemeine News

Wolfram Möller

Neues Jahr, neue Herausforderungen, neue Themen, die den Kirchenkreis bewegen. In einer Serie berichten Mitglieder aus dem Kirchenkreis, welche Dinge sie aktuell beschäftigen, was ihnen gerade auf der Seele brennt oder welche Erlebnisse ihnen zuletzt Mut und Hoffnung gegeben haben. Teil 2 mit Wolfram Möller vom Evangelischen Beratungszentrum.

Dieser Text hat Corona rein gar nichts zu tun!

Nein, ich schreibe heute ausnahmsweise mal nichts über Corona. Nichts über ein Virus, das inzwischen unser aller Leben bestimmt. Das weder Weihnachten, Silvester oder private Hochzeits- und Geburtstagsfeiern kennt – woher auch, da es sich ausschließlich für die eigene Reproduktion interessiert! Ich werde auch nichts über einschneidende Grundrechtsbeschränkungen schreiben. Nicht dazu äußern, wie sinnvoll oder sinnlos ich das Runterfahren der Wirtschaft, der Gastronomie, des Handels und der Kultur finde. Und ich bin auch lieber still, wenn es um die Logistik beim Impfen geht.

Sie werden von mir auch nichts darüber hören, wie die vom Virus dominierte Gesamtsituation auf die Menschen wirkt, die in unsere Einrichtung kommen und nach Beratung, Begleitung, Halt, sowie ein wenig Zuversicht und Normalität für das eigene Leben suchen. Die zumindest versuchen wollen, an ihrer verordneten und nun manifestierten Einsamkeit nicht zu verzweifeln. Die sich ohnmächtig und ausgeliefert fühlen. Die an ihre Grenzen kommen mit Homeoffice, Homeschooling und gleichzeitiger Betreuung von Vorschulkindern in engen Wohnverhältnissen ohne Garten. Die erfahren müssen, dass diese Grenze hin und wieder von denen gewalttätig überschritten wird, die ihnen noch gestern ihre Liebe geschworen haben. Ich möchte Sie auch nicht mit dem Schicksal von denen behelligen, die wegen Kurzarbeit nun zwar viel mehr Zeit, aber auch weniger finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Und die nicht wissen, wie es beruflich bei ihnen weitergehen wird.

Allerdings: Worüber soll ich Ihnen denn sonst etwas erzählen, wenn nicht über das Leben mit Covid-19? Darüber, dass unbeschwerte Familientreffen und -feiern mal selbstverständlich waren und hoffentlich auch wieder sein werden? Über meine Vision eines vollbesetzten Theaters oder Opernhauses? Über die Hoffnung auf freie Platzwahl im Gottesdienst? Über die Vorstellung eines gut gefüllten Fußballstadions? Über die Erinnerung, wie selbstverständlich es mal war, sich in ein Flugzeug zu setzen und in den Urlaub zu fliegen?

Lieber nicht. Das würde möglicherweise zu viel Wehmut erzeugen. Sie könnten anfangen zu träumen und Pläne zu schmieden. Und dann wachen Sie auf und landen auf dem harten Boden der Realität. Das erspare ich Ihnen lieber.

Dann schreibe ich doch lieber nichts von Corona, wie ich es mir vorgenommen hatte. Obwohl: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es mir schon mal besser gelungen ist, nichts, aber auch wirklich gar nichts über ein Thema zu schreiben…