Do., 07.05.2020

Leben ist jetzt

Kategorie: Allgemeine News

Was hatte ich nicht alles in 2020 vor: Unternehmungen im Frühling oder einfach öfter mal mehr leben.  Auch, wenn nun manches wieder beginnt, mussten bei den meisten Menschen Dinge verschoben werden: Urlaube, Hochzeiten, schöne Dinge oder auch Klärungen im Leben wie Operationen, auf die man sich eingestellt hatte. Zuhause bleiben statt Aufbruch könnte da als Eindruck entstehen. Es gibt Bereiche, wo sich ein schaler Beigeschmack einstellt, z.B. wenn Leute schon so lange mit dem Prinzip „Leben aufschieben“ unterwegs sind. Wenn ich erst verheiratet bin, wenn die Kinder groß sind, wenn ich in Rente gehe, dann… Und nun muss ich schon wieder im Wartemodus leben?

Mir kommt ein Lied von Gerhard Schöne in den Sinn und ich höre mal rein (Wenn Sie über Internet verfügen, tun Sie es doch auch!) Es beginnt, so wie es heißt, „Spar´ deinen Wein nicht auf für morgen“, und erzählt in seiner ersten Strophe von Freunden, die man nicht vertrösten sondern willkommen heißen soll. „Na toll“ denke ich, „genau das ist doch mein Problem! Ich vermisse meine Freunde!“ Doch das Lied erzählt weiter in den Strophen und ich werde nachdenklich: „Spar nicht mit deinen guten Worten“ redet vom Gewicht wertschätzender Worte. Und die gehen doch immer noch! „Spar deine Liebe nicht am Tage“ erzählt von Liebe, die endlich ans Tageslicht darf! Wie viele Formen kann Liebe haben! Und „Spar deinen Mut nicht auf für später“ redet vom kleinem Mut, der jetzt mehr bewegen kann als großer Mut irgendwann.

Nein: das Leben muss ich nicht aufschieben, bis die Pandemie vorbei ist. Es ereignet sich jeden Tag in vielen Kleinigkeiten und mit den Menschen um mich herum. Vor allem, wenn ich bete und Gott mit hineindenke, entdecke ich das, und der schale Beigeschmack verschwindet. „Es kommt die Zeit und ist schon jetzt“ wird Jesus mal zitiert (Joh.4,23). Gott hält Heute und Morgen zusammen! Das macht mir Hoffnung, im Jetzt zu leben.

Mögen wir und auch die Kirchen, die bald wieder mit Gottesdiensten unter Auflagen beginnen, das nicht vergessen. Gott kann überall Leben schenken, auch dann, wenn am Sonntag „Kantate“ noch nicht gesungen und an Muttertag Mutter nicht umarmt werden darf. Mögen wir das im Herzen entdecken und das Leben nicht aufschieben! Gott segne uns dafür!

Stefan Thäsler, Pastor in Wathlingen