So., 24.12.2017

Mein Weihnachten - eine Betrachtung von Dr. Andrea Burgk-Lempart

Kategorie: Allgemeine News

„Für mich bedeutet Weihnachten, Jahr für Jahr im Dezember erneut zwischen all den blinkenden Lichtern den Kern des großen Ereignisses zu finden: Gott ist in seinem Sohn als Mensch in seine Welt gekommen, in einer Krippe liegend, für mich und alle anderen Menschen. Das möchte ich alljährlich in der Weihnachtszeit mit meiner Familie feiern: im gemeinsamen Gottesdienst, an Heiligabend mit Geschenken und gutem Essen.“ Uwe Neumann, Leiter Kirchenamt Celle 

Sonnabend vor dem 2. Advent. Losverkauf zugunsten der Aktion „Mitmenschen in Not“ der CZ auf dem Celler Weihnachtsmarkt. Ich komme mit Menschen ins Gespräch, was Weihnachten für sie bedeutet. Außerdem habe ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kirchenkreis um ein Statement gebeten. 

„Weihnachten bedeutet für mich…
1. Familie: Die ganze Familie kommt an diesem einen besonderen Tag zusammen.
2. Heimat: Plätzchen backen, mit Freunden Glühwein trinken und über den Weihnachtsmarkt schlendern. Den Weihnachtsstress in den Einkaufläden spüren. Die Wohnung weihnachtlich dekorieren und natürlich Weihnachtsmusik.
3. Geschenke: sich das ganze Jahr Gedanken machen, wie man einem anderen eine Freunde macht.“ Moritz Lutter, Kirchenkreisjugendkonvent
 

Für alle Generationen spielt das Zusammensein mit der Familie eine große Rolle. Viele wünschen sich, nicht alleine zu sein, sondern die Feiertage gemeinsam mit anderen zu verbringen. Sie erhoffen sich familiäre Gemeinschaft, Harmonie und Geborgenheit. Nicht selten erfüllen sich diese Hoffnungen nicht. Wohl auch, weil die medial vermittelten Bilder vom Weihnachtsfest Gefahr laufen, die Erwartungen ins Unrealistische zu steigern. Das reale Weihnachtsfest wird in den seltensten Fällen so verlaufen, wie in den Hochglanzprospekten der Supermarktwerbung. Wo alle friedlich um den festlich gedeckten Tisch sitzen. Mit glänzenden Augen und tadellos sitzender Garderobe. Mit einem milden Strahlen, das von den Gesichtern ausgeht. Die Realität von Weihnachten ist häufig genug eine andere: unausgesprochene Erwartungen, Druck, Enttäuschung. Falsche Geschenke, anstrengende Verwandte und schwelende Konflikte. Hinzu kommt: Biographische Brüche und problematische Beziehungen nehmen wir zu Weihnachten wohl besonders sensibel wahr. Wir leiden vielleicht stärker als zu anderen Zeiten an der Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. 

“There's a crack in everything, that's how the light gets in. Durch alles geht ein Riss, so fällt das Licht hinein“, sang der im letzten Jahr verstorbene Sänger Leonard Cohen. Für mich ist das eine Kurzform des Evangeliums. Es geht zu Weihnachten nicht darum, eine möglichst glatte Fassade zu präsentieren und den Schein zu wahren. Sondern Gott gerade auch das hinzuhalten, was nicht glanzvoll ist. Was wir nicht zustande gebracht und gegen die Wand gefahren haben. Durch die Brüche und Risse kann sein Licht fallen und unser Leben in ein neues Licht tauchen. Durch die Risse und Brüche hindurch kann die große Verheißung aufscheinen von Gottes versöhnender Liebe, von Vergebung und einem neuen Anfang. 

„Weihnachten bedeutet für mich … Zeit für die Familie zu haben und sie zu genießen. Sich zurücklehnen zu können, um Ruhe und Besinnlichkeit auf sich wirken zu lassen und über eine Vielzahl von Ereignissen und Erlebnissen gemeinsam zu sprechen und nachzudenken, in Demut und vor allem in Dankbarkeit. Dankbarkeit, sich in Gottes Hand geborgen zu fühlen. Mit Weihnachten und der Geburt Jesu Christi eröffnen sich für mich immer wieder aufs Neue Hoffnung und Zuversicht. In Jesu Lebensweg sehe ich die Größe und Güte Gottes, die sich in der Wertschätzung eines jeden Menschen auf dieser Welt offenbart.“ Wilfried Burghard, Kirchenkreisvorstand 

Vielleicht machen die Brüche und Risse unseres eigenen Lebens uns besonders empfänglich für Gottes Licht. Weil wir aus uns selbst heraus oft genug nur wenig Strahlkraft haben. 

Auch die Weihnachtsgeschichte hat aus sich heraus nur wenig Glanz. Die Fakten sind eher bescheiden. Das Kind kommt unter ärmlichen Verhältnissen zur Welt. Die Geburt im Stall ist improvisiert. Die Krippe ein Notbehelf. Die Familienverhältnisse des Neugeborenen sind unklar. Die ersten Gäste an der Krippe sind Hirten. Einfache Leute, die zunächst gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Sie sind ungeübt in Konversation oder anderen gesellschaftlichen Umgangsformen. Einzig der Engel und die himmlischen Heerscharen tauchen die ganze Szene in ein glanzvolles Licht.

Es ist eine Geschichte voller Risse und Brüche, die doch eine große Verheißung in sich trägt: Dass die Welt im Vorfindlichen nicht aufgeht. In den Fakten. In dem, was wir sehen und was uns vor Augen ist. Sondern dass es mehr gibt, die Wirklichkeit Gottes. 

„Weihnachten heißt für mich, inne zu halten, dankbar zu sein und Freude zu empfinden für alles Schöne im Leben. Es heißt für mich, sich an Vergangenes zu erinnern, an die Kindheit, an Menschen, die heute nicht mehr sind. Und auch an die Advents- und Weihnachtszeit mit meinen Kindern, die eine gewisse (Un)ruhe hat. Auf der einen Seite beschäftigt zu sein und auf der anderen Seite zur Ruhe zu kommen, wenn eine Kerze brennt, eine Geschichte vorgelesen oder ein Lied gemeinsam gesungen wird. Eine Zufriedenheit, die sich dann ausbreitet, die einen gespannt und froh sein lässt für alles Kommende. Weihnachten ist für mich, die Seele leuchten zu lassen und dieses Strahlen an die Familie und Freunde weiterzugeben.“ Roswitha Hartmann, Mitarbeiterin der Superintendentin

Die kontrafaktische Wirklichkeit des Glaubens gibt sich nicht mit dem zufrieden, was ist. Sie sieht mehr und anderes. Das, was noch möglich wäre. Das, was auch sein könnte. Frieden auf Erden. Versöhnung. Geschwisterlichkeit unter uns Menschen. 

„Das genialste Geschenk überhaupt. Gott kommt bei uns an. Er möchte uns und unser Miteinander mit seiner Liebe verändern. Das muss gefeiert werden! Gern mit der ganzen Familie. Wir haben Zeit füreinander, singen, spielen, erzählen, essen einfach lecker. Und natürlich gibt es auch Geschenke. Ich finde, Freude machen steckt an. Und wenn der Weihnachtsbaum seine Nadeln verliert, nehme ich die Weihnachtsfreude mit ins neue Jahr.“ Barbara Paschke, Kirchenkreisvorstand

Die Welt und ihre Zusammenhänge erscheinen durch die Geburt des Gottessohnes in einem neuen Licht. Weil er Liebe und Barmherzigkeit ausstrahlt, wie ein wärmendes Feuer in einer kalten Winternacht.

Es sind keine glanzvollen Gestalten, die im Stall von Bethlehem zusammentreffen. Keine Lichtgestalten des Glaubens im klassischen Sinne. Erst durch das himmlische Licht, das auf sie fällt, werden sie zu Glaubenszeugen auf ihre je eigene Weise. „Und die Hirten priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten“. Lärmend und guter Dinge ziehen sie in die Welt, um die frohe Kunde von der Geburt des Gottessohnes weiterzusagen. Maria reagiert mit eher stiller, introvertierter Freude: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Die Gestalten an der Krippe werden von den Ereignissen jener Heiligen Nacht im Innersten ergriffen. Auf ihr irdisches Leben fällt ein himmlischer Schein. Und sie tragen dieses Licht weiter. 

"Weihnachten ist für mich ein sehr geerdetes Fest, ein großartiges 'Trotzdem' in einer Welt, in der auf den ersten Blick die römischen Besatzer, der machtbesessene Herodes und die denkbar ungünstigsten Umstände, in die Jesus hineingeboren wird, die alles bestimmende Wirklichkeit der Menschen zu sein scheinen. Aber durch die Geburt des Kindes in der Krippe von Bethlehem ist der Keim für eine andere Welt gelegt. Gott lässt sich, theologisch gesprochen, in der Alltäglichkeit blicken und öffnet Menschen den Himmel, ohne dass sie von der Erde entfremdet werden. Dieser 'weihnachtliche Blick' auf das Leben ist für mich wie das Licht, das durch einen Türspalt fällt und wie die Musik, die leise und kaum hörbar an mein Ohr dringt. Beides macht Lust auf mehr und weckt meine Sehnsucht nach dem Frieden auf Erden, von dem die Engel singen.“ Uwe Schmidt-Seffers, Öffentlichkeitsbeauftragter und stellv. Superintendent 

Durch die Geburt Jesu erscheinen die Dinge in einem anderen Licht und beginnen, sich zu verändern. Gott macht das Kleine groß. Die Mächtigen verlieren ihre Macht. Im Tod schenkt Gott neues Leben.

Vielleicht verbindet sich auch deshalb soviel Sehnsucht mit diesem Fest, weil wir den Wunsch in uns tragen, Gottes mildes Licht möge auch durch die Brüche unsres Lebens scheinen und uns verwandeln. Uns liebevoller, weitherziger und nachsichtiger machen. Menschlicher. 

Ich wünsche Ihnen ein lichtes und gesegnetes Weihnachtsfest.
Superintendentin Dr. Andrea-Burgk-Lempart

Weihnachtliche Bilder aus Celle, der Blumlage, Klein Hehlen, Nienhagen und Unterüß. Leider konnte der Name der Quempassängerin mit dem Bevenser Leuchter in der Celler Stadtkirche nicht ermittelt werden. Infos bitte an oeffentlichkeitsarbeit.celle(at)evlka.de