Do., 09.04.2020

Superintendentin Dr. Andrea Burgk-Lempart an die Gemeinden des Celler Kirchenkreises

Kategorie: Allgemeine News

Gott, lass meine Gedanken sich sammeln zu dir.
Bei dir ist das Licht, du vergisst mich nicht.
Bei dir ist die Hilfe, bei dir ist die Geduld.
Ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den Weg für mich.
Liedtext aus Taizé

Liebe Schwestern und Brüder,

in der medialen Berichterstattung dieser Tage dominiert ein Thema: Corona. Das Virus versetzt die Welt in Schrecken. Die Bilder aus überfüllten Krankenhäusern sind erschütternd. Genauso wie die bedrückenden Berichte aus den Seniorenheimen. Wie groß muss die Angst vor einem Ausbruch von Covid-19 in den Flüchtlingslagern auf Lesbos sein? 

Diese Pandemie – der medizinische Begriff klingt etwas freundlicher als das schlichte Wort Seuche – hält uns in Atmen. Menschen gehen auf unterschiedliche Weisen damit um. Die Reaktionen changieren zwischen Dramatisierung und Bagatellisierung. Je nachdem, mit wem man spricht. 

Die Seuche konfrontiert uns mit unseren Grenzen. Die Vorstellung, dass alles machbar ist, beherrschbar, hat Risse bekommen. Was bedeutet das für unseren Glauben? Es ist zynisch, das Virus als Strafe Gottes zu deuten, wie es christliche Fundamentalisten tun. Das ist nicht in eins zu bringen mit der Botschaft Jesu! Genauso unangemessen ist es, das Ganze zu verharmlosen, so nach dem Motto: Mir wird schon nichts passieren. 

Es ist eine dramatische Situation, in der sich Ärzt*innen und Pfleger*innen bis zur totalen Erschöpfung verausgaben. In der es gerade die Schwachen besonders hart trifft: Alte, Arme, Kranke. Mich erschüttern die Bilder und Meldungen. Ich kann keine schlüssige Erklärung dafür finden. Ringe mit Gott. Habe im Moment mehr Fragen als Antworten. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich. 

Mehrmals am Tag halte ich inne, um auf Jesu Kreuz und Auferstehung zu schauen. Mich in sie hinein zu versenken: Gott, lass meine Gedanken sich sammeln zu dir. Bei dir ist das Licht, du vergisst mich nicht. Bei dir ist die Hilfe, bei dir ist die Geduld. Lassen Sie uns gemeinsam an der Hoffnung festhalten, dass Gott die Kraft hat, das Böse zu besiegen. Auch den Tod. Dass er das Schicksal der Welt wenden kann. Mit jedem Vaterunser erbitten wir es: und erlöse uns von dem Bösen!

Aber auch die Freude am Leben bricht in der gegenwärtigen Situation neu auf. Die Freude an scheinbaren Selbstverständlichkeiten: das Gespräch mit einer Freundin am Telefon. Die enge Verbundenheit, obwohl wir uns jetzt nicht besuchen können. Die Freude an den Kindern. Intensive Gespräche durch das Beieinandersein ohne Ausweichmöglichkeiten. Ich wünsche Ihnen auch solche Augenblicke der Freude inmitten der Verunsicherung dieser Tage.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Osterzeit und grüße Sie in herzlicher Verbundenheit,

Andrea Burgk-Lempart

Gott, zu dir rufe ich am frühen Morgen;
hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;
ich kann es nicht allein.
In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht;
ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht;
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe;
ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden;
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld;
ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den rechten Weg für mich.

Vater im Himmel,
Lob und Dank sei dir für die Ruhe der Nacht,
Lob und Dank sei dir für den neuen Tag.
Lob und Dank sei dir für alle deine Güte und Treue
in meinem vergangenen Leben.

Du hast mir viel Gutes erwiesen,
lass mich nun auch das Schwere aus deiner Hand hinnehmen.
Du wirst mir nicht mehr auferlegen, als ich tragen kann.
Du lässt deinen Kindern alle Dinge zum Besten dienen.
Herr, was dieser Tag auch bringt – dein Name sei gelobt.

Amen.

Quelle: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 204 f