Mo., 09.03.2020

Susanne Feldgen: "Ich sehe eine Kirche, die Vielfalt und Unterschiedlichkeit im Glauben zusammenbringt."

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Superintendentin Dr. Andrea Burgk-Lempart mit der von ihr eingesegneten Diakonin Susanne Feldgen.

Diakonin Susanne Feldgen arbeitet seit gut einem halben Jahr in der Kirchengemeinde St. Cyriacus in Celle und im Kreisjugenddienst. Pastor Michael Dierßen befragt die neue Mitarbeiterin in seiner Groß Hehlener Gemeinde im Interview.


Was sind Deine Aufgaben als Diakonin, und wie war der Start?

Ich bin Diakonin für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Kirchengemeinde St. Cyriacus. Mir ist wichtig, dass die Jugendlichen die Möglichkeit haben, sich auszuprobieren und sich mit ihrem Glauben auseinandersetzen. Ich schaffe Angebote oder führe Projekte durch, gemeinsam mit den Jugendlichen.

Zurzeit sitzen wir an der Planung für einen Jugendgottesdienst. Dafür hat sich ein Team aus Jugendlichen gebildet, die künftig mehrere Gottesdienste im Jahr gestalten. Aber auch KonfirmandInnenarbeit, Krippenspielproben und Grundschulgottesdienste gehören zu meinen Aufgaben. Da wird in den nächsten Monaten sicher noch das ein oder andere dazukommen.

Im Kirchenkreisjugenddienst Celle liegt mein Schwerpunkt in der schulnahen Jugendarbeit. Das bedeutet, dass ich kooperative Angebote als Ergänzung zu den schulischen Angeboten schaffe. Das können Projekttage, aber auch Bildungstage- oder Fahrten sein. Ich unterstütze aber auch den Jugenddienst und begleite zum Beispiel den Jugendvorstand und die Jugendkonvente. Auch Fahrten zum Landesjugendcamp in Verden oder dem Deutschen Evangelischen Kirchentag organisiere ich mit.

Meine Arbeit im Kirchenkreis macht mir Spaß. Allerdings sind zwei halbe Stellen mit unterschiedlichen Strukturen gelegentlich auch eine Herausforderung, die ein gutes Zeitmanagement braucht.

Was eine Pastorin oder ein Pastor ist, darunter können sich viele Menschen etwas vorstellen. Was aber ist eine »Diakonin«?

 Eine Diakonin ist eine gemeindepädagogische Mitarbeiterin der Evangelisch-lutherischen Kirche Hannovers. Wie das Pastoralamt gehört die Verkündigung des Evangeliums zu einer meiner Kernaufgaben. Doch auch Bilden und Unterstützen sind Kernelemente meiner Arbeit. Je nach Arbeitsbereich haben diese Elemente einen unterschiedlich hohen Anteil. Die Berufsprofile eines Diakons oder einer Diakonin sind vielfältig. Sie reichen von schulbezogener Jugendarbeit über die Arbeit mit Seniorinnen und Senioren bis hin zu Arbeit in sozialen Brennpunkten.

Mein Schwerpunkt ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ich ermögliche Kindern und Jugendlichen Räume des Glaubens und Ausprobierens. Das kann auf Freizeiten sein, in Gruppen, aber auch während verschiedener Projekte. Zudem leite ich ehrenamtlich arbeitende Jugendliche an und bilde sie während der Jugendleiterausbildung (JuLeiCa) aus. Wichtig ist, die Kinder und Jugendlichen zu beteiligen und in ihrer Glaubensfindung und Glaubenswahrung zu unterstützen.

Welches waren Ihre Gründe, Religionspädagogik zu studieren? Und wie verläuft dieses Studium? 

Ich bin in der Evangelischen Jugend meiner Heimatgemeinde erwachsen geworden. Die Gemeinschaft im Glauben, die Unterschiedlichkeit und die Akzeptanz haben mich beeindruckt und getragen. Ich liebe es, wenn Glaube lebendig gelebt wird und möchte Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, ihren Glauben kennenzulernen, Fragen zu stellen und den Glauben im Alltag zu leben.

Ich habe zwei Bachelorabschlüsse. In der Landeskirche Hannovers ist die Doppelqualifikation in Religionspädagogik und Sozialer Arbeit Regelausbildung. Dadurch erweitert sich das Spektrum der Diakone und Diakoninnen. Das Studium dauert vier Jahre und umfasst die Fachrichtungen Pädagogik, Theologie und Soziale Arbeit. Nach dem Bachelorabschluss schließt sich das integrierte Berufsanerkennungsjahr an. Dort werden die im Studium erworbenen Fachkenntnisse praktisch vertieft. Auch hier ist das Spektrum der Stellen umfangreich und richtet sich nach den persönlichen Interessen und Schwerpunktsetzungen. Ich habe meines im Kirchenkreis Ronnenberg, in der Region Gehrden-Wennigsen und einem pädagogischen Mittagstisch für Kinder absolviert. Nach dem Anerkennungsjahr gibt es noch eine Abschlussprüfung, nach welcher man seine kirchliche und staatliche Anerkennung bekommt.

 

Du bist vor kurzem in ein kirchliches Amt eingesegnet. Was heißt das: »eingesegnet werden«? Und was bedeutet das Dir? 

Mit der Einsegnung bekomme ich den göttlichen Segen und Zuspruch für mein kirchliches Amt und meine Berufung als Diakonin. Ich selbst gelobe, meine Arbeit in den Dienst der Kirche zu stellen und den Glauben nach christlichem Bekenntnis in Treue wahrzunehmen und in der Nachfolge Christi zu leben. Die Einsegnung ist einmalig und erfolgt zu Beginn der beruflichen Laufbahn.
Mir bedeutet die Einsegnung sehr viel. Ich bekenne meinen Glauben und nehme das mir anvertraute kirchliche Amt an. Ich erhalte Gottes Zuspruch und Segen für meine Arbeit. Das trägt. 

Welche Vision hast Du für die Zukunft unserer Evangelischen Kirche? Wie sollte sie in zehn Jahren aussehen – aus der Perspektive einer jungen Diakonin am Start ihrer beruflichen Laufbahn? 

Ich sehe eine Kirche, die Vielfalt und Unterschiedlichkeit im Glauben zusammenbringt und die sich für den Frieden einsetzt. Kirche stellt sich gegen Rassismus und Ausgrenzung. Kirche unterstützt Kinder, Jugendliche und Familien in ihrem Glauben. Aber Kirche ist auch bei den Menschen, die oft übersehen werden und beteiligt sich am gesellschaftlichen Wandel. Unser Glaube wird lebendig gelebt. Kirche und Glaube finden nicht nur hinter Kirchmauern statt, sondern gehen hinaus auf die Straße. Christliche Gemeinschaft hat keine Orts- und Landesgrenzen, sondern vereint uns.