Fr., 16.01.2015

Wort zum Sonntag: Einen Standpunkt haben

Rubrik: Allgemeine News

 

Dafür stehe ich! – So endet ein Glaubensbekenntnis, das unsere Konfirmanden in der vergangenen Woche geschrieben haben. Im Unterricht sollten sie Sätze des traditionellen Glaubensbekenntnisses bedenken und gegebenenfalls neu formulieren. In Gruppen saßen sie dann zusammen und schrieben auf, was ihnen wichtig  war. Eine Gruppe fügte den trotzigen Schluss an: Dafür stehe ich! 

Seitdem klingt dieser Satz in mir nach. Als wollten die Jugendlichen vormachen, dass man gelegentlich für etwas einstehen sollte. Bei den Konfirmationen stehen die Jugendlichen im Mai dann vor der Kirchengemeinde und betonen: „Ich will dazu gehören!“ Das ist ein wichtiger Schritt im Leben eines Christen, zugleich ist es immer neu nötig; sich zu fragen: „Wo stehe ich?“ 

Davon brauchen wir mehr. In einer offenen Gesellschaft brauchen wir Menschen, die auf die Straße gehen und für Freiheit und Toleranz demonstrieren, die sich nicht von Terror einschüchtern lassen. Es war ein ermutigendes Zeichen, die großen Demonstrationen in den vergangenen Tagen zu erleben. 

Freiheit und Toleranz ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Wenn ich gefragt werde: „Wofür stehst du?“ Dann gehört neben Toleranz und Freiheit für mich dazu: „Ich stehe für die christliche Überlieferung von einem Gott, der mein Leben erschaffen hat und in Jesus Christus mein Bruder und Retter wurde. Für den Gott, der die Gemeinschaft der Glaubenden begeistert und tröstet. Ich bin dabei, wenn Gottesdienste gefeiert werden und ich duck mich auch nicht weg, wenn kirchliche Hilfe zu finanzieren ist.“ 

Frau Merkel hat gestern in einem Interview gesagt, dass nichts selbstverständlich ist. Die Freiheit muss in jeder Generation neu erkämpft oder verteidigt werden. Ebenso ist es mit dem Glauben. Sie sagt zurecht, Christen sollten „mehr und selbstbewusst“ über ihre christlichen Werte sprechen und sie vertiefen. Niemand kann eine von christlichen Werten geprägte Gesellschaft erwarten, wenn er sie nicht selbst kennt und vertritt. 

Dafür stehe ich – das haben die Konfirmanden nicht leichtfertig gesagt, sondern in den Tagen nach dem Terror in Paris. Wer sich sichtbar davon distanzieren möchte, sollte sich einen Standpunkt suchen: Einen Standpunkt, von dem aus man informiert über den eigenen Glauben sprechen kann. Erst dann wird ein Gespräch interessant. Eine offene Gesellschaft braucht informierte Menschen, die Auskunft geben können: Dafür stehe ich!Pastor Volkmar Latossek